Mitte Januar war bei uns irgendwann klar: Deutschland meint es gerade zu ernst mit dem Winter. Grau, kalt, irgendwie endlos – und plötzlich war dieses Kribbeln wieder da – wir merkten einfach, es wird mal wieder Zeit. Fernweh deluxe. Also überlegt: Wohin soll es eigentlich gehen? Grob acht Wochen Zeit hatten wir, das Ziel war schnell definiert – warm sollte es sein, bitte mit Sonne, Meer und dem Gefühl, dass der Winter ganz weit weg ist.
Nach ein bisschen Hin und Her war die Richtung klar: ab nach Süden. Genauer gesagt wollten wir die spanische Mittelmeerküste entlangfahren, runter bis Andalusien und weiter nach Gibraltar. Frankreich? Obwohl wunderschön, diesmal nur zur Durchreise. Das Land haben wir dieses Jahr schon ziemlich ausgiebig bei unserem Frankreich-Roadtrip erkundet, also hieß es: zügig durchrollen und weiter Richtung Sonne.
Und falls am Ende noch ein paar Tage übrig bleiben sollten, dann vielleicht noch ein Abstecher nach Portugal. Aber wie immer auf Reisen gilt: kein fester Plan, nur eine grobe Richtung – der Rest ergibt sich unterwegs.
Winterpause vorbei: Startklar Richtung Süden
Vorzubereiten gab es ehrlicherweise nicht wirklich viel. Die französische Crit-Air-Plakette hatten wir noch von früher und auch unsere spanische Gasflasche inklusive Adapter stand noch brav im Keller – Überbleibsel unserer ersten Spanienreise vor zwei Jahren. Also eigentlich: einräumen, einsteigen, losfahren, fertig. Naja… fast.
Bevor es ernst wurde, musste natürlich erst mal gecheckt werden, ob unser „Dicker“ die Winterpause gut überstanden hat. Die letzten Wochen waren ja doch ziemlich frostig und das hatte direkt seine Spuren hinterlassen: Der Hebel vom Abwassertank war erst mal komplett festgefroren. Super Start. Da blieb nur zu hoffen, dass das schon das schlimmste Problem war.
Also hieß es: Technik-Check. Um die Leitungen zu prüfen, mussten wir zuerst den Frostwächter davon überzeugen, dass jetzt wirklich wieder Reisezeit ist und er bitte nicht mehr auslösen muss. Ein bisschen Wärmflasche, ein bisschen Geduld – und siehe da: alles dicht, nichts geplatzt, keine bösen Überraschungen.
Glücklicherweise hat unser Wohnmobil den Winter ohne weitere Blessuren überlebt und war somit startklar für die neue Saison. Kein Grund also mehr zu zögern. Der Süden wartete, das Fernweh auch – und unserem Start Richtung Sonne stand endlich nichts mehr im Weg.
Ankommen in Spanien: Peratallada als erster Stopp
Am 25.01.2026 rollten wir ganz entspannt los – und drei Tage später war es so weit: Spanien! Unser erster Stopp führte uns nach Katalonien, genauer gesagt in das mittelalterliche Steindorf Peratallada. Obwohl der Ort zu den meistbesuchten Dörfern an der Costa Brava zählt, fühlte es sich zu dieser Jahreszeit fast so an, als hätten wir ihn ganz für uns allein.
Peratallada wurde offiziell zum kunsthistorischen Denkmal erklärt, denn das Dorf beherbergt einige der am besten erhaltenen mittelalterlichen Bauwerke Kataloniens. Massive Natursteinmauern, ein alter Wassergraben, der Wehrturm und diese verwinkelten, kopfsteingepflasterten Gassen erzählen Geschichten aus einer Zeit, in der hier noch Ritter und Händler unterwegs waren. Der Name kommt übrigens vom Katalanischen „pedra tallada“ und bedeutet „gehauener Stein“ – ein Blick auf die Häuserfassaden reicht, um zu verstehen, warum.
Direkt unterhalb des Dorfes gibt es einen kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz, was den Besuch super entspannt macht. Von dort läuft man in wenigen Minuten ins historische Zentrum, das komplett autofrei ist. Wir haben dort auch direkt übernachtet – ruhig, unkompliziert und mit perfektem Ausblick auf die alten Steintürme. Ende Januar war Peratallada allerdings ziemlich verschlafen: kaum Menschen und die meisten Restaurants geschlossen, fast schon ein bisschen “Lost place”-Feeling. Schön war es trotzdem, aber wir konnten uns gut vorstellen, wie viel lebendiger und farbenfroher es hier im Frühling oder Sommer sein muss, wenn alles blüht und die kleinen Plätze wieder voller Leben sind. Für uns war Peratallada der perfekte sanfte Einstieg in Spanien – ruhig, charmant und genau richtig, um endgültig im Reisemodus anzukommen.
Pals, Sonne und das erste Mal Meer
Am nächsten Tag ging es nur ein paar Kilometer weiter – und direkt ins nächste Bilderbuchdorf: Pals. Schon von Weitem sieht man, wie sich das Dorf auf einem Hügel erhebt, umgeben von dicken mittelalterlichen Stadtmauern. Darüber thronen gut sichtbar die Kirche Sant Pere und der markante Uhrturm Torre de les Hores, eines der Wahrzeichen des Ortes. Pals gilt als einer der schönsten mittelalterlichen Orte Kataloniens und ist vor allem für seine hervorragend erhaltene Altstadt bekannt.
Beim Schlendern durch die engen Gassen mit ihren typischen Steinhäusern, kleinen Bögen und Aussichtspunkten aufs Umland fühlte man sich auch hier ein bisschen in eine andere Zeit versetzt. Ende Januar war es ebenfalls sehr ruhig – aber irgendwie wirkte Pals lebendiger als Peratallada. Vielleicht lag es aber auch einfach am Wetter, denn endlich zeigte sich die Sonne. Und mit ein paar warmen Strahlen auf der Haut sieht die Welt ja bekanntlich gleich freundlicher aus.
Auch Pals verfügt über einen kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz, was den Besuch super unkompliziert macht. Übernachtet haben wir diesmal allerdings nicht. Kaum hatten wir die Sonne gespürt, war die Richtung klar: ab zum Meer. Also machten wir uns nach der Dorferkundung auf den Weg Richtung Küste, auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen für den restlichen Tag und die Nacht.
Am Strand angekommen, wehte zwar ein recht frischer Wind, aber das hielt uns nicht davon ab, einen ausgiebigen Spaziergang am Wasser zu machen. Das Rauschen der Wellen, der weite Blick übers Meer und diese besondere Ruhe, die man nur außerhalb der Saison findet – spätestens hier fühlte es sich an, als wären wir wirklich angekommen. Einschlafen mit Meeresrauschen inklusive. Mehr Süden ging für den Moment kaum.
Blanes – spanische Wintersonne genießen
Je weiter sich die Sonne durchkämpfte und die Temperaturen langsam auf angenehme 15 Grad kletterten, desto klarer wurde: Wir bleiben an der Küste. Also setzten wir unseren Weg entlang der Costa Brava fort – nächster Halt: Blanes. Vom recht zentral gelegenen, kostenlosen Wohnmobilparkplatz ging es direkt zu Fuß Richtung Promenade. Und ehrlich gesagt waren wir ziemlich überrascht, wie viel hier trotz der Jahreszeit los war. Cafés und Restaurants waren gut gefüllt, überall saßen Menschen draußen, drehten ihre Gesichter zur Sonne und genossen den Moment.
Natürlich konnten auch wir nicht widerstehen. Wir suchten uns ein Plätzchen in einem Restaurant, bestellten etwas Leckeres und beobachteten das lebhafte Treiben um uns herum. Genau solche Tage sind es, die sich sofort richtig anfühlen: Sonne im Gesicht, Meeresluft in der Nase und dieses entspannte Gefühl, das sich ganz leise einstellt. Ein rundum wundervoller, sonnendurchfluteter Tag. Am Abend hieß es dann erst mal: Wetterbericht checken und überlegen, wie es weitergehen soll. In Portugal und Südspanien tobten seit einiger Zeit mehrere Stürme, also hatten wir es mit dem Weiterfahren Richtung Süden nicht besonders eilig. Spontan entschieden wir uns, noch eine weitere Nacht in Blanes zu bleiben.
Am nächsten Morgen ging es dann zu Fuß hinauf zum Castell de Sant Joan, das oberhalb der Stadt thront. Der Anstieg war nicht ohne, war es aber absolut wert – die Aussicht über Blanes, die Küste und das Meer war einfach phänomenal. Danach ließen wir den Tag ganz entspannt ausklingen: ein Kaffee an der Promenade, dazu ein paar spanische Leckereien und das Rauschen des Meeres im Hintergrund. Besser kann man einen Reisetag kaum beenden.



Peñíscola: Ein Ort, der uns jedes Mal entschleunigt
Als nächstes Ziel war schnell klar: Peñíscola sollte es werden. Wetter gecheckt – sah gut aus – also Motor an und weiter Richtung Süden. Unterwegs erledigten wir noch das Nötigste: Ver- und Entsorgen, ein paar Einkäufe. Nichts Spektakuläres, aber genau diese kleinen Alltagsstopps gehören zum Camperleben einfach dazu. Und weil wir lieber gemütlich unterwegs sind, legten wir spontan eine Zwischenübernachtung in Cambrils ein und genossen am Abend einen Spaziergang entlang der Promenade.
Am nächsten Morgen ging es dann ohne Umwege weiter nach Peñíscola. Schon bei unserer ersten Winterreise 2024 hatte es uns hier komplett erwischt – diese besondere Mischung aus Meer, Geschichte und entspannter Atmosphäre. Entsprechend groß war die Freude auf das Wiedersehen. Als Stellplatz wählten wir erneut La Brisa (12 € pro Nacht). Für uns einfach perfekt gelegen, um die Burgstadt ganz entspannt zu Fuß zu erkunden. Da wir von Anfang an zwei Nächte eingeplant hatten, ließen wir den ersten Tag ruhig angehen und spazierten erst einmal am Strand entlang. Ankommen, durchatmen, schauen. Den Besuch der Burg hoben wir uns bewusst für den nächsten Tag auf.
Gegen Mittag machten wir uns dann auf den Weg hinauf zum Castell de Peñíscola. Schon von unten ist der Blick auf die mächtige Festung jedes Mal wieder beeindruckend. Sie thront auf einem gewaltigen Felsen, rund 64 Meter über dem Meer, fast vollständig vom Wasser umschlossen. Kein Wunder also, dass Peñíscola auch das „Gibraltar von Valencia“ genannt wird.
Oben angekommen fühlten wir uns sofort wieder mittendrin statt nur dabei: schmale Gassen, weiß getünchte Häuser, ein entspanntes Treiben – Peñíscola hat einfach eine ganz eigene Magie.
Wusstet ihr schon? Die Burg ist untrennbar mit Papa Luna (Papst Benedikt XIII.) verbunden. Er war eine der Schlüsselfiguren des Großen Abendländischen Schismas und machte Peñíscola im 15. Jahrhundert zu seinem Papstsitz. Damit ist die Stadt – neben dem Vatikan und Avignon – einer von nur drei Orten weltweit, die jemals Sitz eines Papstes waren. Ziemlich beeindruckend, oder?
Doch nicht nur Kirchengeschichte wurde hier geschrieben. Beim Schlendern durch die Gassen merkt man schnell: Das hier ist absolut hollywoodreif. Fans von Game of Thrones erkennen die Kulissen der Stadt Meereen sofort wieder.
Wir ließen uns treiben, vorbei am berühmten Casa de las Conchas, dem Haus mit den Muscheln an der Fassade, und dem Bufador – einem natürlichen „Schnaufloch“ im Felsen, aus dem bei starkem Wellengang lautstark die Gischt hervorschießt.
Zwar blieb es zunächst ziemlich bewölkt, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Wir saugten die Atmosphäre auf und gönnten uns einen Cappuccino mit Blick aufs Meer. Genau solche Momente sind es, die wir so lieben. Als wir später schon wieder unten am Strand angekommen waren, zeigte sich dann doch noch die Sonne. Tja – was macht man nicht alles für das perfekte Foto? Kurzerhand hieß es: Komm, wir gehen noch einmal hoch! Im goldenen Licht wirkt einfach alles gleich doppelt so magisch. Und wer weiß schließlich, wann wir das nächste Mal hier oben stehen?
Peñíscola hat uns jedenfalls wieder einmal verzaubert – mit seinen weißen Gassen, dem tiefblauen Meer und diesem ganz besonderen Flair, das einen sofort entschleunigt.




Vilafamés – ein Fels, drei Wünsche und ganz viel Charme
Nach zwei Tagen in Peñíscola sah das Wetter Richtung Süden leider noch immer nicht besser aus. Der Wind war hartnäckig, und die Stürme weiter unten auf der Route machten wenig Lust aufs Weiterfahren. Also: kurze Lagebesprechung, Karte raus und ab ins Hinterland! Unser Ziel: Vilafamés, ein Dorf in der Provinz Castellón, das sich so fotogen an den Berghang schmiegt, dass man eigentlich schon bei der Anfahrt die Kamera zücken möchte.
Vilafamés ist einer dieser Orte, an denen die Zeit scheinbar kurz Pause macht. Überall Kopfsteinpflaster, warme Erdtöne und Gassen, die teilweise so eng sind, dass man fast automatisch den Bauch einzieht.
Unser erstes Highlight: die Roca Grossa. Ein gigantischer Felsbrocken mitten im Ort, der aussieht, als könnte er jeden Moment losrollen. Die Legende besagt: einmal kräftig berühren, drei Wünsche murmeln – und mindestens einer davon geht in Erfüllung. Na, das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Ob’s geklappt hat? Wir halten euch auf dem Laufenden.
Weiter oben thronen die Burg von Vilafamés und die Iglesia de la Sangre. Die Kirche steht auf alten muslimischen Fundamenten, und in der Burg trifft man auf Spuren von Römern, Mauren und Christen – ein echtes Geschichts-Buffet. Und ganz nebenbei ist auch die Aussicht von dort oben über die Oliven- und Mandelbäume ziemlich beeindruckend.
Im Anschluss schauten wir natürlich noch bei einem weiteren Wahrzeichen des Ortes vorbei: der Silla Roja. Mitten in der idyllischen Landschaft steht plötzlich dieser riesige, knallrote Designerstuhl – als hätte ein Riese ihn dort einfach vergessen.
Das Ganze ist aber kein Zufall, denn Vilafamés ist ein echtes Künstlerdorf. Es gibt hier sogar ein Museum für zeitgenössische Kunst. Der Stuhl ist Teil einer Kunstinstallation und soll zeigen, dass Kunst nicht immer im Museum verstauben muss, sondern auch mitten im Leben – oder eben mitten in der Landschaft – stehen darf.
Als Base für unsere Erkundungstour wählten wir den Stellplatz direkt im Dorf (13 € pro Nacht). Ein absoluter Glücksgriff! Wenn man wegen Sturm schon feststeckt, dann bitte dort, wo es saubere Duschen, eine Waschmaschine und einen Trockner gibt. Die zwei Tage nutzten wir also ganz pragmatisch, um unseren Wäscheberg abzuarbeiten.
In der zweiten Nacht hat uns der Wind zwar ordentlich durchgeschaukelt, aber ansonsten sind wir gut davongekommen.



Zurück ans Meer – Zwischen Sturmspuren, Sonnenuntergängen und spontanen Konzerten
Da das Thermometer langsam wieder kletterte und die Sonne sich endlich zurückmeldete, zog es uns wieder Richtung Meer. Nach den vergangenen Tagen im Hinterland war uns nach Salzluft und Wellenrauschen.
Unser erster Stopp: Chilches. Dort steuerten wir einen Wohnmobilparkplatz direkt neben einem Palmengarten an – eigentlich idyllisch. Eigentlich. Denn die Spuren des Sturms vom Vortag waren nicht zu übersehen: Überall lagen große, abgerissene Palmwedel und Stammteile herum. Da der Wind noch immer munter weiterpfiff, fühlten wir uns unter den riesigen Palmen nicht ganz wohl. Nach einem Strandspaziergang mit ordentlich Gegenwind war klar: lieber weiterziehen, bevor uns doch noch ein Palmwedel gute Nacht sagt.
Also machten wir uns erneut auf die Suche – und wurden in Almardà fündig. Hier standen wir mit etwa 20 anderen Campern auf einem schlichten Parkplatz direkt am Meer. Kein Schnickschnack, keine Parzellen, kein Luxus – aber dafür direkter Blick auf die Promenade und das offene Mittelmeer.

Die Gegend wirkte fast ein wenig verschlafen. Die meisten der umliegenden Ferienappartements standen leer, als würde der Ort noch auf die Saison warten. Für uns bedeutete das vor allem eines: Ruhe. Viel Ruhe. Perfekt für lange Spaziergänge entlang der Strandpromenade, bei denen man irgendwann vergisst, welcher Wochentag eigentlich ist. Ein kleiner Laden um die Ecke versorgte uns mit allem Nötigen – mehr brauchten wir nicht.
Tagsüber Sonne tanken, abends dem Meeresrauschen lauschen und zusehen, wie die Sonne glutrot im Wasser versinkt. Und als kleines Extra gab’s sogar noch ein spontanes Open-Air-Konzert: Ein paar Camper holten Instrumente und Lautsprecher raus und spielten querbeet ein paar Songs – ganz ungeplant, ganz entspannt, genau unser Vibe.
Zwischen Parkplatz-Chaos und Postkartenidylle – unser Tag in Altea
Nach zwei herrlich ruhigen Tagen am Meer von Almardà war klar: Jetzt darf es wieder ein bisschen lebendiger werden. Unser nächstes Ziel: die charmante Küstenstadt Altea in der Provinz Alicante.
Schon bei der Ankunft wurde uns allerdings bewusst, dass wir mit dieser Idee nicht allein waren. Sonntag, Sonne satt und gefühlt halb Spanien unterwegs – da die Stell- und Campingplätze restlos ausgebucht waren, steuerten wir den großen zentralen Parkplatz mit ausgewiesenen Stellflächen für Camper an. Tja… theoretisch eine gute Idee. Praktisch: völliges Chaos. Nicht mal ein Kleinwagen hätte hier noch eine Lücke gefunden.
Ein paar Meter weiter entdeckten wir schließlich einen Platz am Straßenrand. Nicht zum Übernachten geeignet – aber perfekt, um Altea erst einmal zu Fuß zu erkunden. Und wer weiß, vielleicht würde am Abend ja noch irgendwo ein Platz frei werden.
Promenadenflair & Altstadtzauber
Zuerst zog es uns ans Meer. Entlang der Promenade reihten sich Cafés und Restaurants aneinander, alle gut besucht. Menschen saßen bei Tapas und kühlen Getränken, lachten, genossen das Wetter – genau diese mediterrane Leichtigkeit, die wir so lieben. Anders als viele Sandstrände der Region besteht der Strand hier aus Kies – typisch für die Costa Blanca – was dem Wasser eine besonders klare, türkisblaue Farbe verleiht.
Danach ging es hinauf in den ältesten und malerischsten Teil der Stadt: die Altstadt, die sich auf einem Hügel erhebt. Kopfsteinpflaster, weiße Häuser, kleine Boutiquen und immer wieder Treppen, die gefühlt irgendwo ins Nichts führen – oder zu einem der zahlreichen Aussichtspunkte.
Das Herzstück bildet die Plaza de la Iglesia mit der berühmten Kirche Nuestra Señora del Consuelo. Ihre markante Kuppel aus blau-weißen Keramikziegeln ist das Wahrzeichen der Stadt und brachte Altea den Beinamen „Kuppel des Mittelmeers“ ein. Besonders beeindruckend: Von fast überall in der Umgebung sieht man diese Kuppel über den weißen Häusern thronen.
Von hier oben eröffnen sich fantastische Blicke über das glitzernde Mittelmeer, die Küste und bei klarer Sicht sogar bis nach Calpe mit dem markanten Peñón de Ifach.


Zweiter Versuch – und ein kleines Glücksgefühl
Am späten Nachmittag kehrten wir zurück zu unserem Wohnmobil – und starteten Versuch Nummer zwei auf dem zentralen Parkplatz. Und tatsächlich: Das Chaos hatte sich gelegt, viele Tagesausflügler waren wieder abgereist. Und siehe da – wir ergatterten einen Platz!
Manchmal fühlt sich so eine einfache Parklücke an wie ein kleiner Lottogewinn.
Da der Parkplatz nur etwa zehn Minuten vom Zentrum entfernt liegt, entschieden wir uns spontan, zum Sonnenuntergang noch einmal loszuziehen. Und das hat sich mehr als gelohnt.
Altea bei Nacht – noch ein bisschen schöner
Mit Einbruch der Dunkelheit verändert sich die Stimmung in Altea spürbar. Der Tagestourismus ebbt langsam ab, und die Altstadt wirkt plötzlich viel weicher und entspannter. Statt Trubel gibt’s jetzt warmes Licht, eine kühle Brise und dieses typische Abendgefühl am Mittelmeer.
Die schmalen Gassen sind dezent beleuchtet, die weißen Häuser bekommen einen goldenen Schimmer und über allem thront die angestrahlte Nuestra Señora del Consuelo mit ihrer markanten blau-weißen Kuppel.
Wir sind einfach ein bisschen durch die Gassen gezogen, haben hier und da einen Blick aufs dunkler werdende Meer geworfen und die Atmosphäre auf uns wirken lassen.
Zurück am Wohnmobil konnten wir für den Rest des Abends den Ausblick auf die beleuchtete Festung geniessen und den Tag entspannt ausklingen lassen.
Fazit
Altea hat uns sehr gefallen – auch wenn der Start etwas chaotisch war. Parkplatzsuche bei Kaiserwetter am Sonntag? Braucht Geduld und gute Nerven! Aber sobald man durch die Gassen der Altstadt schlendert, ist das schnell vergessen.
Die Mischung aus mediterranem Küstenflair, weiß getünchten Häusern, kleinen Boutiquen und der markanten Kuppel der Nuestra Señora del Consuelo macht den Ort einfach besonders.
Für uns ist Altea kein klassischer „Wir-bleiben-eine-Woche-und-machen-nichts“-Ort, sondern perfekt für ein bis zwei Tage: Altstadt erkunden, Aussicht genießen, gut essen gehen und den Blick aufs Meer geniessen.
Kurz gesagt: charmant, fotogen und definitiv einen Stopp wert!
Bunte Häuser in Villajoyosa
Nach unserem entspannten Abend in Altea ging es weiter Richtung Süden. Nächster Halt: Villajoyosa. Wir suchten uns einen größeren Parkplatz etwas außerhalb und machten uns zu Fuß auf den Weg Richtung Meer. Und schon nach einem kurzen Spaziergang standen wir vor den berühmten bunten Häusern an der Strandpromenade. Eine ganze Häuserreihe in kräftigem Blau, Rot, Gelb und Grün – wie eine Postkarte, nur in echt.
Der breite Stadtstrand Playa Centro war im Februar angenehm leer. Statt Sonnenschirmen und Badetrubel gab es Spaziergänger, ein paar Einheimische mit Hund und das gleichmäßige Rauschen der Wellen. Genau unser Ding.
Was viele nicht wissen: Villajoyosa hat mehr zu bieten als nur die bunten Fassaden. Hinter der Promenade beginnt die historische Altstadt mit engen Gassen, kleinen Plätzen und Resten der alten Stadtmauer. Besonders sehenswert sind die gut erhaltenen Befestigungsanlagen rund um die Kirche. Und über allem wacht die barocke Iglesia de la Asunción, die im 16. Jahrhundert als Wehrkirche gebaut.
Ein Stück außerhalb liegt der Torre del Aguiló, ein alter Wachturm aus dem 16. Jahrhundert. Von dort oben hat man einen großartigen Blick über die Küste – besonders an klaren Wintertagen wie unserem.
Villajoyosa ist außerdem bekannt als die „Schokoladenstadt“ Spaniens. Hier sitzt unter anderem die traditionsreiche Firma Chocolates Valor. Im dazugehörigen Museum kann man mehr über die Geschichte der Schokoladenherstellung erfahren – inklusive Verkostung.
Elche – Ein Spaziergang durchs größte Palmenmeer Europas
Auf der Suche nach unserem nächsten Ziel sind wir auf Elche (valencianisch: Elx) gestoßen – neugierig gemacht hat uns vor allem der riesige Palmenhain. Und ja, „riesig“ ist hier wirklich nicht übertrieben.
Der Palmeral de Elche umfasst über 200.000 Palmen, dazu kommen noch zehntausende Jungpflanzen, die nach und nach gesetzt werden. Damit gilt er als größter Palmenhain Europas und gehört seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ursprünglich geht die Anlage auf die Mauren zurück, die hier ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem mit Kanälen und rechteckigen Pflanzparzellen anlegten – eine Struktur, die bis heute erkennbar ist.
Vom Wohnmobil direkt ins Grün
Etwa drei Kilometer vom Palmenhain entfernt fanden wir einen geeigneten Parkplatz für unser Wohnmobil, auf dem wir auch übernachten konnten – perfekt als Ausgangspunkt. Von dort machten wir uns zu Fuß auf den Weg Richtung Palmen.
Schon auf dem Weg merkt man, wie sehr die Palmen zum Stadtbild gehören. Sie stehen überall: an Straßenrändern, auf kleinen Plätzen oder bilden grüne Inseln zwischen den Häusern. Im Palmenhain selbst beeindruckte uns vor allem die schiere Menge und die Vielfalt der Pflanzen. Selbst im Februar hatte das Ganze etwas fast Exotisches. Mit dem Rascheln der Blätter im Wind fühlte es sich stellenweise eher nach Nordafrika als nach Südspanien an.
Stadtbummel mit Geschichte
Nach unserer Runde durch das Palmenmeer zog es uns noch in die Innenstadt. Auch hier gibt es einiges zu entdecken.
Die markante Basilica de Santa María aus dem 17. Jahrhundert prägt das Stadtzentrum, und gleich daneben ragt der Torre de la Calahorra, ein alter Wehrturm aus maurischer Zeit, in den Himmel.
Wir schlenderten noch ein wenig durch die Fußgängerzonen, entdeckten kleine Plätze und gönnten uns zwischendurch – manchmal muss das einfach sein – ein leckeres Menü beim KFC. Danach fühlten wir uns gestärkt für den Rest des Tages und genossen noch ein wenig das milde Winterlicht in den Palmenalleen.
Cartagena – Zwischen antikem Hafen und frischer Meeresbrise
Als nächstes Ziel stand die Hafenstadt Cartagena auf unserem Plan. Die historische Stadt an der Mittelmeerküste blickt auf über 2.000 Jahre Geschichte zurück und wurde bereits im Jahr 227 v. Chr. von den Karthagern gegründet. Später entwickelte sie sich unter den Römern zu einem der wichtigsten Häfen der Region – Spuren dieser Zeit sind bis heute überall in der Stadt zu finden.
Ein Stellplatz etwas außerhalb
Da allerdings alle zentral gelegenen Wohnmobil-Stellplätze bereits ausgebucht waren, entschieden wir uns kurzerhand für eine etwas ruhigere Alternative außerhalb der Stadt: die Finca Algeria. Die kleine Finca liegt etwa zehn Kilometer vom Zentrum entfernt und schien uns ein guter Ausgangspunkt zu sein. Also buchten wir direkt zwei Nächte und bezahlten 26 Euro ohne Strom.
Der Plan war einfach: Die Strecke bis in die Stadt wollten wir gemütlich mit Scooter und Fahrrad zurücklegen. Und tatsächlich funktionierte das auch ganz gut – zumindest auf dem Hinweg.
Antike Geschichte und ein müder Scooter
Cartagena selbst hat uns sofort gefallen. Zwischen dem großen Naturhafen, den bunten Jugendstilgebäuden entlang der Hafenpromenade und den vielen historischen Spuren wirkt die Stadt gleichzeitig lebendig und geschichtsträchtig. Besonders beeindruckend ist das römische Theater, das erst in den 1980er-Jahren wiederentdeckt wurde und heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört. Auch der Hafen mit Blick auf die umliegenden Hügel lädt zum Bummeln ein.


Weniger beeindruckend war allerdings der Akku unseres Scooters. Der hatte an diesem Tag offenbar andere Pläne als wir – und verabschiedete sich deutlich früher als erwartet. So blieb uns auf dem Rückweg nichts anderes übrig, als das gute Stück ein paar Kilometer zu schieben. Nicht gerade das, was man sich nach einem langen Stadtbummel wünscht…
Ein Blick auf den Wetterbericht brachte dann die nächste Überraschung: Für die kommenden Tage waren kräftige Winde mit Böen von bis zu 90 km/h angekündigt. Da wir keine große Lust hatten, bei Sturm weiterzufahren, entschieden wir uns kurzerhand, unseren Aufenthalt zu verlängern. Also buchten wir noch zwei zusätzliche Nächte auf der Finca, lehnten uns zurück, arbeiteten ein wenig und warteten einfach ab, bis sich das Wetter wieder beruhigte – manchmal ist langsamer reisen eben doch die beste Entscheidung.
Zwischenstopp am Meer – Wohnmobile soweit das Auge reicht
Entspannt ging es für uns weiter in Richtung Tabernas-Wüste. Da wir auf unseren Reisen meist lieber kürzere Etappen fahren – schließlich ist ja auch der Weg ein Teil des Abenteuers – legten wir unterwegs noch einen Zwischenstopp im kleinen Küstenort Palomares ein.
Unser Ziel war der Strand Playa de Quitapellejos. Dort erwartete uns ein Anblick, den wir so tatsächlich noch nicht erlebt hatten: Gut 200 Wohnmobile standen hier dicht an dicht direkt am Meer – alle mit bester Aussicht auf das Wasser. Eine beeindruckende, fast schon surreale Kulisse.
Und was machten wir? Wir reihten uns kurzerhand ein. Denn wie heißt es so schön: Camper sind eben doch ein bisschen Rudeltiere. Für eine Nacht war das für uns absolut in Ordnung – und irgendwie hatte das Ganze auch seinen eigenen Charme.
Wir nutzten den Nachmittag für einen ausgedehnten Strandspaziergang, atmeten die frische Meeresluft ein und warfen nebenbei immer wieder neugierige Blicke auf die vielen unterschiedlichen Wohnmobile. Vom kompakten Kastenwagen bis zum riesigen Liner war alles dabei – fast ein bisschen wie auf einer kleinen Campingmesse unter freiem Himmel.
Als Bonus gab es am Abend noch einen besonders schönen Sonnenuntergang.
Nach einer erneut ziemlich windigen Nacht setzten wir am nächsten Morgen unsere Reise fort – das nächste Ziel rückte näher: die faszinierende Landschaft der Tabernas-Wüste.
Staub, Kulissen und Revolverhelden – Ein Besuch in Fort Bravo
Lange haben wir überlegt, ob wir in der Tabernas-Wüste einfach nur die Landschaft erkunden oder ob wir uns auch die berühmte Westernstadt Fort Bravo anschauen sollten. Der Preis von rund 45 Euro für Stellplatz und Eintritt ist schließlich nicht gerade ein Schnäppchen. Andererseits wurden hier so viele bekannte Filme gedreht, dass unsere Neugier am Ende doch größer war.
Schon die Anfahrt durch die karge Wüstenlandschaft war beeindruckend. Die Hügel aus hellem Gestein, die trockenen Rambla-Täler und die weiten Flächen wirken fast surreal – kaum zu glauben, dass man sich noch immer in Europa befindet. Kein Wunder, dass diese Gegend seit den 1960er-Jahren als Filmkulisse genutzt wird.
Filmkulisse mitten in der Wüste
Fort Bravo – auch bekannt als Texas Hollywood – gehört zu den bekanntesten Westernkulissen der Region. Hier entstanden Szenen aus berühmten Italo-Western wie „Für eine Handvoll Dollar“ mit Clint Eastwood, „Zwei glorreiche Halunken“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“.
Aber auch modernere Produktionen nutzten die beeindruckende Kulisse der Wüste – unter anderem die Kultkomödie „Der Schuh des Manitu“ von Michael Bully Herbig. Selbst internationale Serienproduktionen wie „Game of Thrones“ wurden in der Region rund um die Wüste von Tabernas gedreht.
Wir schlenderten durch die verschiedenen Kulissen – vorbei am Saloon, dem Sheriffbüro, der kleinen Kirche und den hölzernen Fassaden der Häuser. Das Wetter spielte perfekt mit: angenehm warm, dazu ein kräftiger Wind, der immer wieder Staub über die Straßen wehte. Genau so stellt man sich eine Westernstadt vor.


Westernshows mit kleinen Abstrichen
Ein Teil des Programms sind auch mehrere Shows mit Stunts, Schießereien und kleinen Geschichten aus dem Wilden Westen. Die Kulisse und die Atmosphäre waren zwar stimmig, allerdings waren die Aufführungen sehr sprachlastig. Da wir kein Spanisch verstehen, ging leider einiges an Handlung an uns vorbei – dadurch war es für uns etwas schwieriger, komplett einzutauchen.
Am folgenden Tag erkundeten wir noch weitere Teile der Wüste. Die Landschaft mit ihren trockenen Schluchten, staubigen Pisten und bizarren Felsformationen wirkt immer wieder anders und bleibt einfach faszinierend. Einen kurzen Stopp legten wir außerdem bei Oasys MiniHollywood ein. Von dort aus führt ein Weg hinunter in einen kleinen Canyon – ein schöner Aussichtspunkt, um die besondere Wüstenlandschaft noch einmal aus einer anderen Perspektive zu erleben, bevor unsere Reise weiterging.


Unser Fazit
Wir sind froh, dass wir uns für den Besuch entschieden haben. Allein durch die staubigen Straßen der Filmkulisse zu laufen und zu wissen, dass hier echte Filmgeschichte entstanden ist, war eine besondere Erfahrung. Dieser Western-Flair, der zwischen Saloon, Pferdekutschen und den alten Holzhäusern in der Luft liegt, lässt sich nur schwer beschreiben – man fühlt sich tatsächlich ein bisschen wie mitten in einem Filmset.
Auch wenn uns die Shows aufgrund der Sprachbarriere nicht komplett abgeholt haben, hat sich der Besuch für uns definitiv gelohnt. Die Atmosphäre in Fort Bravo ist einzigartig und passt perfekt zur wilden Landschaft der Tabernas-Wüste. Wer sich für Filmgeschichte interessiert oder einfach einmal echtes Western-Feeling erleben möchte, sollte sich diesen Ort auf einer Reise durch Südspanien ruhig einmal anschauen.
Guadix – zwischen Höhlen und Historie
Nach der staubigen Wüstenlandschaft der Tabernas-Wüste zog es uns wieder in eine Stadt – genauer gesagt nach Guadix. Zwei Dinge standen hier auf unserer Liste: Zum einen war dringend ein Waschtag nötig, zum anderen wollten wir unbedingt das berühmte Höhlenviertel der Stadt sehen.
Guadix verfügt über einen großen kostenlosen Wohnmobilstellplatz, der erstaunlich gut ausgestattet ist. Neben Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten gibt es hier auch reichlich Platz – und als Bonus einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada.
Den ersten Tag nutzten wir ganz unspektakulär für einen Besuch im Waschsalon und ein paar alltägliche Erledigungen. Manchmal gehören solche Dinge eben genauso zum Reisealltag wie Sehenswürdigkeiten.
Das Viertel der Höhlenwohnungen
Am zweiten Tag machten wir uns dann auf den Weg ins bekannte Höhlenviertel Barrio de las Cuevas. Rund 3.000 Menschen leben hier tatsächlich noch in sogenannten Höhlenwohnungen, die direkt in die weichen Lehnhügel gegraben wurden. Diese besondere Bauweise hat eine lange Tradition und sorgt dafür, dass die Wohnungen im Sommer angenehm kühl und im Winter relativ warm bleiben.
Ganz ehrlich gesagt fanden wir den Besuch jedoch ein wenig enttäuschend. Von außen sieht man nämlich meist nur die weißen Schornsteine und Türen, die aus den Hügeln herausragen – die eigentlichen Wohnräume liegen komplett unter der Erde. Wirklich sehen, wie so eine Wohnung von innen aussieht, kann man eigentlich nur im Museo Cuevas de Guadix. Leider wirkten auch einige der umliegenden Straßen etwas heruntergekommen.
Dafür hat die Stadt selbst durchaus noch einiges zu bieten. Besonders sehenswert sind die imposante Kathedrale von Guadix, die zu den bedeutendsten Kirchen der Region zählt, sowie die Alcazaba de Guadix – eine maurische Festung, die hoch über der Stadt thront und an die lange Geschichte der Region erinnert.


Ronda – spektakulär über der Schlucht
Mit wieder gut gefülltem Kleiderschrank ging es für uns weiter nach Ronda. Wir parkten unser Wohnmobil etwas außerhalb am Strassenrand und machten uns von dort aus zu Fuß auf den Weg ins Zentrum.
Über Ronda hatten wir schon viel gehört. Vor allem die spektakuläre Lage hoch über einer tiefen Schlucht machte uns neugierig. Und schon beim ersten Blick wurde schnell klar, warum Ronda zu den bekanntesten Orten in Andalusien zählt. Die Stadt wird von der rund 100 Meter tiefen El Tajo Schlucht geteilt, die sich dramatisch durch das Gestein schneidet.
Das bekannteste Bauwerk der Stadt ist die imposante Puente Nuevo. Die riesige Steinbrücke verbindet die beiden Stadtteile miteinander und spannt sich spektakulär über die Schlucht – ein Anblick, der wirklich Eindruck macht. Kein Wunder, dass sie zu den meistfotografierten Orten Andalusiens gehört.
Ronda selbst gehört zu den ältesten Städten Spaniens und blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis in die Zeit der Römer und Mauren reicht. Beim Spaziergang durch die Altstadt stößt man immer wieder auf historische Gebäude, kleine Plätze und vor allem auf viele Aussichtspunkte mit Blick in die beeindruckende Schlucht und auf die umliegende Landschaft.
Wir verbrachten den kompletten Tag damit, durch die Gassen zu schlendern, immer wieder neue Ausblicke auf die Schlucht zu entdecken und einfach die besondere Atmosphäre der Stadt zu genießen. Ronda hat uns mit seiner Lage und seinem Charme wirklich begeistert.



Setenil de las Bodegas – das Dorf unter dem Felsen
Der nächste bekannte Ort Andalusiens auf unserer Route war Setenil de las Bodegas. Schon im Vorfeld hatten wir viele Bilder von diesem außergewöhnlichen Dorf gesehen – und waren entsprechend gespannt.
Wie schon zuvor parkten wir unser Wohnmobil lieber etwas außerhalb der Ortschaft. Die Straßen im Ort sind teilweise extrem schmal und kurvig, und wir wollten auf keinen Fall riskieren, mit unserem „Dicken“ plötzlich in einer der engen Gassen festzustecken. Also stellten wir uns am Rand eines Neubaugebiets ab und machten uns zu Fuß auf den Weg ins Zentrum.
Setenil gehört zu den berühmten weißen Dörfern Andalusiens, den sogenannten Pueblos Blancos. Das Besondere hier ist allerdings die Bauweise: Viele Häuser sind nicht einfach nur an den Felsen gebaut, sondern teilweise direkt darunter. Das Dorf schmiegt sich förmlich in die Felswände des Tals, durch das der kleine Fluss Río Guadalporcún fließt.
Beim Spaziergang durch die engen Gassen eröffnen sich immer wieder schöne Ausblicke auf den Ort und die umliegenden Felsen. Besonders beeindruckend sind die beiden bekanntesten Straßen im Tal: die Calle Cuevas del Sol und auf der gegenüberliegenden Seite die Calle Cuevas de la Sombra. Hier hängen die riesigen Felsen wie natürliche Dächer über den weiß gekalkten Häusern – ein wirklich beeindruckender Anblick. Unter den Felsüberhängen reihen sich kleine Bars und Restaurants aneinander, die zum Verweilen einladen.
Da der Ort insgesamt recht klein ist, hatten wir ihn schneller erkundet als gedacht und kehrten bereits am Nachmittag wieder zu unserem Wohnmobil zurück. Weil sich unser Parkplatz am Straßenrand im Neubaugebiet nicht wirklich für eine ruhige Nacht eignete, beschlossen wir am Abend noch ein Stück weiterzufahren. Unser Ziel war ein kostenloser Gemeindestellplatz im kleinen Ort Arriate – nur wenige Kilometer entfernt und deutlich entspannter für die Nacht.



Gibraltar – zwischen zwei Kontinenten und jeder Menge Affen
Nach über vier Wochen „on tour“ wartete nun ein echtes Highlight unseres Roadtrips auf uns: Gibraltar. Schon lange hatten wir uns darauf gefreut, dieses kleine, aber irgendwie ganz besondere Fleckchen Erde zu entdecken – britisches Überseegebiet, direkt an der Südspitze Spaniens, mit Blick bis nach Afrika.
Da wir die Grenze zu Fuß überqueren wollten, suchten wir uns vorab einen passenden Stellplatz und entschieden uns für den Campingplatz Sureurope. Für 26 € pro Nacht inklusive Strom absolut in Ordnung – und vor allem perfekt gelegen. Von dort aus ging es mit Scooter und Fahrrad Richtung Flughafen Gibraltar.
Dort begann auch direkt eines der skurrilsten Erlebnisse unserer Reise: der Grenzübergang. Nach der Passkontrolle läuft man tatsächlich direkt über die Start- und Landebahn des Flughafens. Schranken, Ampeln – und sobald kein Flugzeug kommt, dürfen Fußgänger einfach rüber. Ziemlich surreal und definitiv einer der ungewöhnlichsten Grenzübertritte, die wir je erlebt haben.
Kaum in der Stadt selbst merkt man sofort, dass man nicht mehr ganz in Spanien ist. Rote Telefonzellen, englische Pubs, Preise in Pfund – Gibraltar gehört politisch zu Großbritannien, liegt aber geografisch mitten in Andalusien – dieser Mix macht den Ort so besonders.
Unser ursprünglicher Plan war eigentlich, mit der Seilbahn auf den berühmten Felsen zu fahren und von dort alles gemütlich zu Fuß zu erkunden. Tja – hätte funktioniert, wenn die Seilbahn nicht gerade komplett erneuert worden wäre. Das wussten wir natürlich vorher nicht. Alternativen gab es zwar genug (Taxis, Minibusse etc.), aber nach allem, was wir gehört hatten, klang das eher nach teuer und stressig als nach entspanntem Erkunden.
Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns schließlich für die offizielle „Top of the Rock Tour“. Mit 55 € pro Person nicht gerade günstig, aber immerhin inklusive Eintritt ins Naturschutzgebiet – und im Nachhinein definitiv die richtige Entscheidung.
Die Säulen des Herkules – Blick bis nach Afrika
Unser erster Stopp führte uns zu den berühmten Säulen des Herkules. Der Legende nach markierten sie in der Antike das Ende der bekannten Welt. Heute steht man hier und blickt – bei gutem Wetter – direkt hinüber nach Marokko.
Ein ziemlich beeindruckender Moment, wenn man realisiert, wie nah Afrika tatsächlich ist – nämlich gerade mal 14 km entfernt.
St. Michael’s Cave – Natur trifft Geschichte
Weiter ging es zur St. Michael’s Cave, einer riesigen Tropfsteinhöhle im Inneren des Felsens. Über Jahrtausende durch Regenwasser geformt, diente sie im Zweiten Weltkrieg sogar als Lazarett.
Heute ist sie eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Gibraltars – vor allem wegen der spektakulären Lichtinstallationen. Die riesigen Hallen wirken fast wie eine Kathedrale aus Stein, und regelmäßig finden hier sogar Konzerte und Veranstaltungen statt.
Affen & Skywalk– zwei Highlights auf einmal
Je höher wir den Felsen hinauffuhren, desto häufiger begegneten wir ihnen: den berühmten Berberaffen – den einzigen frei lebenden Affen Europas. Neugierig und ziemlich frech machten sie es sich auf unserem Bus gemütlich oder spähten durchs Fenster, immer in der Hoffnung auf Futter. Wichtig zu wissen: Füttern ist für Touristen streng verboten!
Unsere Fahrt führte uns zum Skywalk – einer gläsernen Aussichtsplattform mit atemberaubendem Rundumblick über das Mittelmeer, die spanische Küste und bei klarer Sicht sogar bis nach Afrika. Früher ein militärischer Aussichtspunkt, heute eine der spektakulärsten Attraktionen Gibraltars – inklusive Affen-Entertainment.
Upper Apes Den – den Affen ganz nah
Nur wenige Schritte vom Skywalk entfernt erreichten wir den Upper Apes Den – einen der bekanntesten Spots auf dem Felsen, um die Berberaffen aus nächster Nähe zu erleben.
Die Affen bewegen sich völlig frei zwischen den Besuchern, klettern über Geländer, sitzen entspannt auf Mauern oder tollen miteinander herum. Dabei merkt man schnell, dass sie an Menschen gewöhnt sind – neugierig, aber keineswegs scheu. Gleichzeitig sollte man sie nicht unterschätzen: Ein bisschen Abstand und geschlossene Rucksäcke sind definitiv die bessere Idee.
Und mit Hilfe unseres Guides sind dann auch richtig schöne Erinnerungsfotos entstanden!
Great Siege Tunnels – Geschichte im Felsen
Beim Rundgang durch die Tunnel fühlt man sich tatsächlich ein Stück in die Vergangenheit zurückversetzt. Enge Gänge, alte Kanonen und strategische Aussichtspunkte geben einen spannenden Einblick in die Militärgeschichte des Felsens.
Im Inneren der Anlage gibt es zudem kleine Ausstellungen und Museumsbereiche, in denen die Geschichte der Belagerung anschaulich erklärt wird. Mit Schautafeln, nachgestellten Szenen und historischen Informationen bekommt man ein gutes Gefühl dafür, unter welchen Bedingungen die Soldaten hier gearbeitet und gelebt haben.
Nach etwa anderthalb Stunden trennten wir uns an der Princess Caroline’s Battery von der Gruppe und setzten unseren Weg zu Fuß fort, denn ein Punkt stand für uns noch ganz oben auf der Liste: die Great Siege Tunnels. Dieses beeindruckende Tunnelsystem wurde im 18. Jahrhundert während der Großen Belagerung Gibraltars von britischen Soldaten in den Fels geschlagen – ursprünglich, um Kanonenstellungen unterzubringen und den Gegner besser im Blick zu behalten. Im Laufe der Zeit wurde das System immer weiter ausgebaut.
Wir haben hier deutlich mehr Zeit verbracht als geplant, weil es einfach so viel zu entdecken gab. Für uns definitiv ein weiteres Highlight in Gibraltar – nicht nur wegen der Geschichte, sondern auch wegen dieser ganz besonderen, fast schon etwas unheimlichen, Atmosphäre tief im Inneren des Felsens.
Zum Abschluss schlenderten wir noch durch die Main Street – die Einkaufsstraße Gibraltars. Hier reihen sich britische Ketten, Souvenirshops und kleine Cafés aneinander.
Den Abend ließen wir ganz entspannt bei einem leckeren Essen ausklingen, bevor es zurück zum Campingplatz ging.
Fazit
Gibraltar hat uns wirklich überrascht. Nicht nur wegen der Lage zwischen Europa und Afrika, sondern auch wegen dieser besonderen Mischung aus britischem Flair, spannender Geschichte und mediterraner Natur.
Klar, es ist touristisch – aber auf eine Art, die man einfach mal erlebt haben sollte. Und allein der Moment, über eine Flugzeuglandebahn zu laufen, macht den Besuch schon unvergesslich.
Ein Ort, der definitiv aus dem Rahmen fällt – und genau deshalb ein echtes Highlight unserer Reise.
Kurze Entspannung in Tarifa auf der “Landebahn”
Nach diesem intensiven Tag in Gibraltar war bei uns erst mal Entschleunigung angesagt – und dafür gibt es bekanntlich kaum einen besseren Ort als das Meer. Also machten wir uns auf den Weg nach Tarifa, den südlichsten Punkt des europäischen Festlands, wo Mittelmeer und Atlantik aufeinandertreffen.
Unser Ziel: die sogenannte „Landebahn“ am Playa de Los Lances – ein inoffizieller Stellplatz direkt hinter den Dünen. Der Spot ist vor allem bei Kitesurfern bekannt, denn Tarifa gilt als echtes Mekka für Wind- und Wassersport. Gerade in der Nebensaison trifft man hier viele Camper, die die entspannte Atmosphäre, den endlosen Sandstrand und den Blick bis hinüber nach Afrika genießen. Auch wir ließen es ruhig angehen: lange Spaziergänge am Strand, Sonne im Gesicht und dieses konstante Rauschen des Meeres im Hintergrund – genau das, was wir gebraucht haben.
Sturmpause in Vejer de la Frontera
Eigentlich hatten wir uns darauf eingestellt, ein paar Tage genau hier zu bleiben – barfuß im Sand, mit Blick aufs Meer und einfach mal nichts tun. Umso schwerer fiel uns die Entscheidung, als die Sturmwarnung reinkam. Böen von bis zu 80 km/h waren dann doch ein ziemlich überzeugendes Argument, weiterzuziehen. Also hieß es für uns: Sachen sichern, alles verstauen und Abschied nehmen – wenn auch ziemlich widerwillig. Am liebsten wären wir einfach geblieben.
Unser nächster Stopp führte uns ins Landesinnere nach Vejer de la Frontera. Das kleine, auf einem Hügel gelegene weiße Dorf ist wirklich schön anzusehen – mit seinen verwinkelten Gassen, den strahlend weißen Häusern und den weiten Ausblicken über die Landschaft. Wir fanden einen zentralen, kostenlosen Parkplatz und nutzten die Zeit, um den Ort ein wenig zu erkunden und den Sturm auszusitzen. Trotzdem: So charmant Vejer auch ist, innerlich hingen wir noch ein bisschen am Meer fest und hätten nur zu gern noch ein paar entspannte Tage am Strand drangehängt.
Zurück ans Meer: El Palmar Vibes & andalusische Lebensfreude
Nach zwei stürmischen Tagen konnten wir endlich wieder durchatmen – im wahrsten Sinne. Das Wetter beruhigte sich, die Sonne kam zurück, und für uns stand fest: Jetzt werden die verpassten Strandtage nachgeholt. Unsere Wahl fiel auf El Palmar de Vejer, einen entspannten Küstenort an der Costa de la Luz.
Der Stellplatz El Palmar Beach Parking lag perfekt – nur wenige Schritte vom Meer entfernt und ideal, um die Umgebung zu erkunden. Für drei Nächte zahlten wir 44,40 €, was für die Lage absolut fair war.
Der Strand hier ist genau das, was man sich wünscht: weitläufig, naturbelassen, feiner Sand und dieser endlose Horizont. Kein Wunder, dass die Costa de la Luz als Surferparadies gilt. Überall sieht man Kites und Wellenreiter, dazu Strandbars, kleine Restaurants und Surfschulen – und dieses ganz besondere, leicht alternative Hippieflair, das sofort entschleunigt.
Unser Aufenthalt fiel zufällig auf den spanischen Feiertag Día de Andalucía. Und das haben wir deutlich gespürt. Der zuvor ruhige Stellplatz wurde plötzlich lebendig – Familien reisten an, Musik lief, Bands spielten und in den Bars wurde ausgelassen gefeiert. Es war diese typische spanische Lebensfreude, die einfach ansteckend ist.
Conil de la Frontera: Weißes Dorf mit Meeresblick
Von El Palmar aus machten wir uns – ganz entspannt mit Scooter und Fahrrad – auf den Weg ins nahegelegene Conil de la Frontera.
Conil zählt zu den charmantesten der berühmten „Pueblos Blancos“. Die Altstadt ist ein kleines Labyrinth aus engen, verwinkelten Gassen, gesäumt von strahlend weißen Häusern, blumengeschmückten Innenhöfen und kleinen Plätzen. Immer wieder öffnen sich die Gassen und geben den Blick aufs Meer frei. Diese Mischung aus traditioneller andalusischer Architektur und lässigem Küstenflair macht den Ort unglaublich angenehm.
Conil hat uns sofort abgeholt. Nicht zu groß, nicht zu überlaufen (zumindest außerhalb der Hochsaison) und genau die richtige Mischung aus authentisch und lebendig.
Für uns war es der perfekte Ausflug von El Palmar aus – und definitiv einer dieser Orte, die man sich merken sollte.
El Rocío: Zwischen leeren Häusern und Sandgassen
Am 2. März ging es für uns – nach einer Zwischenübernachtung in El Cuervo de Sevilla – weiter nach El Rocío. Unser Stellplatz war der Camping La Aldea (28 € pro Nacht), direkt am Rand des Nationalparks Doñana.
El Rocío wirkt eher wie eine Kulisse aus einem Westernfilm als wie ein typisches andalusisches Dorf. Es gibt keine asphaltierten Straßen – stattdessen zieht sich feiner Sand durch alle Gassen. Der Grund dafür ist simpel und besonders zugleich: Der Ort ist für Pferde und Kutschen gebaut. Überall stehen vor den weiß getünchten Häusern Holzbalken, an denen die Tiere angebunden werden. Autos treten hier komplett in den Hintergrund.
Im Zentrum des Dorfes erhebt sich die eindrucksvolle Ermita de la Virgen del Rocío, die das spirituelle Herz des Ortes bildet. Denn jedes Jahr zu Pfingsten wird El Rocío zum Schauplatz einer der größten religiösen Veranstaltungen der Welt: der Romería de El Rocío.
Dann machen sich über 100 Bruderschaften (Hermandades) aus ganz Spanien auf den Weg – zu Fuß, zu Pferd oder in festlich geschmückten Ochsenkarren. Die Reise dauert oft mehrere Tage und ist für viele ein tief religiöses und emotionales Erlebnis. Der absolute Höhepunkt ist der „Saltar la Reja“: In der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag springen Männer aus dem benachbarten Almonte über das Altargitter, um die Statue der Jungfrau – die „Weiße Taube“ – auf ihren Schultern durch das Dorf zu tragen. Man kann sich gut vorstellen, welches Spektakel hier dann herrscht.
Bei unserem Besuch Anfang März zeigte sich El Rocío allerdings von seiner ganz anderen Seite: fast verlassen, ruhig und stellenweise sogar ein wenig trostlos. Viele der weiß getünchten Häuser standen leer oder wirkten verschlossen, als würde das Dorf gerade auf seinen großen Moment im Jahr warten.
Letzte Etappe offen: Portugal oder zurück durchs spanische Inland?
Nach fast sechs Wochen unterwegs kamen wir nun an einen Punkt, an dem wir entscheiden mussten, wie es weitergehen sollte. Eigentlich war der Plan von Anfang an klar gewesen: recht zügig die spanische Küste entlang bis nach Andalusien und dann weiter nach Portugal. Doch die Realität hatte uns früh ausgebremst – die anhaltenden Stürme in den ersten Wochen hatten unsere Route komplett durcheinandergewirbelt, und so waren wir viel länger als gedacht im Norden Spaniens hängen geblieben.
Jetzt, kurz vor Portugal angekommen, war klar: Die Zeit lief uns davon. In knapp zwei Wochen mussten wir wieder zu Hause sein. Und genau da stellte sich die große Frage unserer Reise.
Einmal noch rüber nach Portugal – vielleicht zumindest die Algarve mitnehmen, ein paar Küstenorte aufsaugen, bevor es zurückgeht? Die Idee hatte definitiv Reiz. Sonne, Atlantik, neue Eindrücke. Aber ein Blick auf die Wettervorhersage machte die Entscheidung nicht einfacher: Zwar waren die heftigen Stürme vorbei, doch es waren weiterhin mehrere Regentage angekündigt.
Oder wir lassen Portugal diesmal bewusst aus und nehmen stattdessen den Weg durchs spanische Landesinnere zurück? Mehr Zeit, weniger Strecke, dafür die Chance, Regionen zu sehen, die wir bisher nicht eingeplant hatten – abseits der Küste, ruhiger, vielleicht ursprünglicher.
Am Ende war es keine einfache Entscheidung, sondern eher dieses typische Reisegefühl: zu viele Möglichkeiten, zu wenig Zeit – und die Frage, was man am Ende wirklich mitnehmen will.
Auf gut Glück nach Portugal: Unsere Bauchentscheidung für die Algarve
Schließlich war es dann gar keine große Planungsentscheidung mehr, sondern eine reine Bauchentscheidung. Der Wetterbericht hatte uns auf der gesamten Reise sowieso schon oft im Stich gelassen – unbeständig, wechselhaft und schwer einzuschätzen. Und trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) zog es uns irgendwie nach Portugal.
Also entschieden wir uns kurzerhand, das Risiko einzugehen, ließen die Zweifel hinter uns und fuhren Richtung Algarve. Unser Ziel war der Stellplatz Parque Caravanas Açoteias in Olhos de Àgua – für 27 € für 3 Nächte direkt an der Steilküste gelegen. Und obwohl wir ohne Reservierung anreisten, war es zum Glück kein Problem, einen Platz zu bekommen.
Direkt nach der Ankunft zog es uns dann auch sofort ans Meer. Nur ein paar Minuten vom Camper entfernt standen wir plötzlich oben auf diesen beeindruckenden Klippen. Die berühmte Steilküste der Algarve ist nicht einfach nur „schön“ – sie ist auf ihre eigene Art spektakulär. Über Millionen Jahre hat sich das Meer hier durch den weichen Sandstein gearbeitet und dabei eine Landschaft aus hohen, fast senkrechten Felswänden, kleinen Buchten und langen Sandstränden geschaffen.
Besonders faszinierend sind die Farben: Je nach Licht wirken die Felsen tief rot, orange, gold oder fast ockerfarben. Gerade am späten Nachmittag, wenn die Sonne tief steht, leuchtet die gesamte Küstenlinie wie ein gemaltes Panorama. Kein Wunder also, dass der Abschnitt entlang der Praia da Falésia als einer der schönsten Küstenabschnitte Portugals gilt.
Wanderung entlang der Steilküste bis Vilamoura
Am nächsten Tag sind wir die Klippen dann ausgiebig entlanggewandert – mit dem Atlantik auf der einen Seite und üppig grüner Vegetation auf der anderen. Durch die vielen Regenfälle der vorherigen Wochen war die Landschaft ungewöhnlich satt und grün, was einen starken, fast kontrastreichen Gegensatz zu den roten Felsen gebildet hat.
Unser Weg führte uns schließlich bis nach Vilamoura, wo die Natur langsam in einen modernen Yachthafen übergeht. Davor aber zeigt sich die Küste noch einmal von ihrer schönsten Seite: schmale Pfade direkt oberhalb der Klippen, immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die kilometerlange Küstenlinie und darunter goldene Strände, die oft nur über steile Treppen erreichbar sind – begleitet vom konstanten Rauschen der Wellen.
Auch geologisch hat die Steilküste einiges zu bieten: Sie besteht hauptsächlich aus Sandstein und Ton und ist dadurch relativ weich und stark erosionsanfällig. Genau deshalb verändert sich die Küstenlinie hier ständig – Felsabbrüche, neue Vorsprünge und frische Sandflächen gehören ganz selbstverständlich dazu und machen jeden Abschnitt ein bisschen einzigartig.
Nach ein paar Stunden und vielen Kilometern in den Beinen ging es schließlich zurück zum Camper. Müde, aber ziemlich glücklich über das, was wir gesehen hatten. Und wie so oft auf dieser Reise hatte der Wetterbericht mal wieder Unrecht – statt Dauerregen gab es nur ein paar dunkle Wolken.
Und wir? Wir dachten einfach nur: gute Entscheidung!



Zwischen Felslabyrinth und Atlantikblick: Algar Seco bei Carvoeiro
Nach den ersten eindrucksvollen Tagen an der Steilküste waren wir gespannt, was die Algarve noch für uns bereithält. Als nächstes Ziel stand der berühmte Felsabschnitt Algar Seco bei Carvoeiro auf dem Plan.
Als Ausgangspunkt buchten wir für 28 € zwei Nächte auf dem Motorhome Stay Algarve in Lagoa. Von dort aus waren es nur etwa 3 Kilometer – perfekt also für eine kleine Tour mit Roller und Bike.
Und schon der erste Eindruck von Algar Seco hat gezeigt, warum dieser Ort so bekannt ist. Hier trifft die Kraft des Atlantiks auf weichen Kalkstein, der über Jahrtausende zu einer regelrechten Felslandschaft geformt wurde. Statt einer klassischen Küste erwartet einen hier ein natürliches Labyrinth aus Höhlen, engen Durchgängen, Treppen und Plattformen direkt über dem Meer.
Das Besondere: Man kann hier stundenlang herumklettern. Zwischen den Felsen befinden sich kleine Wege, immer wieder öffnen sich neue Perspektiven auf das Meer, versteckte Durchgänge oder kleine natürliche „Fenster“ im Gestein. Einige Bereiche wirken fast wie eine von Menschen geschaffene Kulisse – dabei ist alles komplett natürlich entstanden. Besonders bekannt ist auch die sogenannte „Boneca“-Höhle, die durch zwei große Öffnungen im Fels einen direkten Blick auf den Atlantik ermöglicht.
Wer mag, kann über Holzstege entlang der Küste weiter Richtung Carvoeiro spazieren. Der Weg ist gut ausgebaut und verläuft immer wieder direkt oberhalb der Klippen – mit konstantem Blick auf die bizarre Felslandschaft und das tiefblaue Wasser darunter.
In Carvoeiro selbst angekommen, hat uns dann der Kontrast gefallen: Nach der wilden, zerklüfteten Küste plötzlich ein kleiner, lebendiger Ort mit Cafés, Restaurants und Strandatmosphäre. Perfekt, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen. Also gab es erst noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort – und natürlich ein Eis in der Sonne, während wir die Eindrücke von Algar Seco noch einmal sacken ließen.



Unterwegs zu den Benagil Caves
Am nächsten Tag hieß es wieder: Scooter und Fahrrad raus – und los Richtung Benagil-Höhle. Die liegt am gleichnamigen Strand, der Praia de Benagil, und gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Algarve.
Viele kommen hierher, um mit dem Kajak oder Boot direkt in die Höhle hineinzufahren – das berühmte „Loch“ in der Decke inklusive Sonnenstrahl ist ja quasi das Postkartenmotiv der Region. Wir haben uns allerdings für die entspanntere Variante entschieden und sind zu Fuß oben entlang gewandert.
Und ja… die Aussicht von oben auf die Höhle war ehrlich gesagt nicht ganz so spektakulär, wie man es vielleicht erwartet. Man schaut im Grunde „nur“ von oben in die Öffnung hinein – nett, aber kein absoluter Wow-Moment.
Was uns dafür umso mehr begeistert hat, war der gesamte Küstenabschnitt rundherum. Denn der spielt hier eigentlich die Hauptrolle. Die Algarve zeigt sich an dieser Stelle nochmal von ihrer wilden Seite: zerklüftete Kalksteinfelsen, tiefe Einschnitte, kleine versteckte Buchten und immer wieder diese natürlichen Bögen und Felstore, die durch Wind und Wasser geformt wurden. Über Jahrtausende hat sich der Atlantik hier durch das Gestein gearbeitet – und genau das sieht man auch.
Besonders beeindruckt hat uns der Abschnitt rund um die Arcos Naturais da Praia da Mesquita. Diese natürlichen Steinbögen wirken fast surreal und machen den Küstenweg zu einer Art Freiluft-Ausstellung aus Felsformationen.
Nach unserem Tag am Algar Seco dachten wir eigentlich, wir hätten in Sachen Steilküste schon alles gesehen. Aber diese Tour hat uns tatsächlich noch ein Stück mehr begeistert – vielleicht, weil sie etwas ursprünglicher wirkt und weniger inszeniert.
Und natürlich kam noch ein weiterer Faktor dazu: Nebensaison. Relativ wenig Menschen unterwegs, keine vollen Aussichtspunkte – stattdessen Ruhe, Weite und die Möglichkeit, diese Landschaft ganz entspannt auf sich wirken zu lassen.



Zwischen Stadtflair und Steilküste: Lagos & die Ponta da Piedade
Nach zwei intensiven Tagen an der Küste ging es für uns weiter Richtung Lagos. Unser neues Ziel: der Campingplatz Parque de Campismo da Trindade (25 € für zwei Nächte).
Und sagen wir es, wie es ist: Vom Platz selbst darf man sich nicht viel erwarten – viele ziemlich heruntergekommene Dauerunterkünfte und insgesamt eher ein verwahrloster Eindruck. Aber für uns war das völlig okay. Wir hatten alles dabei, was wir brauchten, und der entscheidende Punkt war ohnehin ein anderer: die Lage.
Denn die ist wirklich top. Von hier aus erreicht man sowohl die Altstadt als auch die Küste ganz entspannt zu Fuß – und genau das haben wir direkt am ersten Tag ausgenutzt.
Also ging es los in Richtung Altstadt von Lagos, die als eine der schönsten an der Algarve gilt. Umgeben von alten Stadtmauern, die teilweise noch aus dem 16. Jahrhundert stammen, wirkt der Ort auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Geschichte und entspanntem Küstenleben.
Wir schlenderten durch die engen, teils gepflasterten Gassen, vorbei an kleinen Cafés, Bars und weißen Häusern mit bunten Details. Immer wieder öffnet sich der Blick Richtung Wasser, bis man schließlich an der Promenade landet. Von dort ging es weiter bis zum Castelo dos Governadores, einer historischen Festungsanlage direkt am Meer, die früher eine wichtige Rolle beim Schutz der Stadt spielte.
Direkt gegenüber liegt die Igreja de Santo António, eine Kirche aus dem 18. Jahrhundert, die von außen eher schlicht wirkt, im Inneren aber für ihren aufwendig vergoldeten Barockstil bekannt ist – ein typisches Beispiel für die portugiesische Architektur dieser Zeit.

Was viele nicht wissen: Lagos war früher ein bedeutender Hafen während der portugiesischen Entdeckungszeit. Von hier aus starteten im 15. Jahrhundert zahlreiche Expeditionen entlang der afrikanischen Küste. Diese Geschichte spürt man der Stadt an vielen Ecken noch an, auch wenn sie heute vor allem für ihre Strände und entspannte Atmosphäre bekannt ist.
Leider hatten wir an diesem Tag zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Portugal nicht ganz so viel Glück mit dem Wetter. Dunkle Wolken zogen über den Himmel, dazu kam ein ziemlich kräftiger Wind, der uns ständig um die Ohren wehte.
Vielleicht war genau das der Grund, warum uns Lagos an diesem Tag nicht ganz so abgeholt hat, wie wir es erwartet hatten. Die Altstadt hat definitiv ihren Charme – aber bei grauem Himmel und Wind wollte der Funke einfach nicht so richtig überspringen. Manchmal entscheidet eben doch das Wetter mit darüber, wie sich ein Ort anfühlt.
Ponta da Piedade & Fishermen’s Trail
Nach unserem eher durchwachsenen Stadt-Tag hieß es am nächsten Morgen wieder: raus in die Natur. Und dafür hätten wir uns kaum einen besseren Ort aussuchen können als die Ponta da Piedade – einer der bekanntesten Küstenabschnitte Portugals.
Schon nach den ersten Metern war klar: Hier wartet wieder genau das, was wir an der Algarve so lieben. Eine Küste, die ständig ihr Gesicht verändert – mal steile, zerklüftete Felsen, dann wieder kleine, versteckte Sandstrände, eingerahmt von goldenen Klippen.
Wir folgten einem Teil des bekannten Fishermen’s Trail, der zwischen Lagos und Praia da Luz verläuft. Der Weg ist hier super ausgebaut: Holzstege, angelegte Pfade und immer wieder Aussichtspunkte, an denen man eigentlich alle paar Minuten stehen bleiben möchte.
Und genau das haben wir auch gemacht.
Denn die Ausblicke sind wirklich spektakulär: Felsnadeln, die aus dem Meer ragen, natürliche Bögen und kleine Buchten mit türkisfarbenem Wasser.
Was allerdings auch wieder mit dabei war: der Wind. Und zwar nicht zu knapp. Teilweise hat er uns ganz schön um die Ohren gepfiffen. Aber irgendwie gehört das hier auch dazu – dieser raue Atlantikcharakter, der die Landschaft so ursprünglich wirken lässt.
Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) war es wieder einer dieser Orte, an denen man einfach merkt, warum die Algarve so beliebt ist. Natur, die beeindruckt, ohne sich aufzudrängen. Wege, die einen immer weiterziehen lassen. Und Ausblicke, die man so schnell nicht vergisst.
Nach Lagos am Vortag hat sich das für uns wieder genau richtig angefühlt: weniger Stadt, mehr Küste, mehr Weite. Genau unser Ding.



Am Ende der Algarve: Ein Abstecher zum Cabo de São Vicente
So langsam wurde es leider Zeit, den Rückweg anzutreten. Wir wollten die Heimreise bewusst entspannt angehen, noch ein paar Stopps einbauen und nicht einfach nur Kilometer machen. Aber wenn man schon mal so weit im Süden ist, darf ein Ort einfach nicht fehlen: das Cabo de São Vicente – der südwestlichste Punkt des europäischen Festlands.
Hier endet die Algarve mit einer bis zu 70 Meter hohen Steilküste, die abrupt in den Atlantik abfällt. Früher galt dieses Kap übrigens als „Ende der Welt“. Kein Wunder – wenn man hier steht, hat man wirklich das Gefühl, dass danach nur noch Wasser kommt.
Gegen Mittag erreichten wir das Kap und parkten unseren “Dicken” direkt am Leuchtturm, da glücklicherweise nicht viel los war. Der Farol do Cabo de São Vicente gehört zu den stärksten Leuchttürmen Europas und ist bis heute ein wichtiger Orientierungspunkt für die Schifffahrt.
Auf ein kleines Highlight mussten wir leider verzichten: die legendäre „Letzte Bratwurst vor Amerika“. Stattdessen mussten wir mit der geschlossenen Imbissbude vorlieb nehmen – Nebensaison eben.
Wir nutzten die Zeit, um noch ein Stück entlang der Klippen zu spazieren. Keine versteckten Buchten, keine verspielten Felsformationen wie an anderen Stellen der Algarve, sondern eher eine klare, fast schon karge Küstenlinie.
Ehrlich gesagt: Nach all den spektakulären Abschnitten, die wir zuvor gesehen hatten, wirkt das Cabo de São Vicente fast ein bisschen unspektakulär. Aber es ist eben einer dieser Orte, an denen es gar nicht darum geht, der schönste zu sein – sondern einfach darum, dort gewesen zu sein!
Ein letzter Blick auf den Atlantik, einmal tief durchatmen – und dann ging es für uns auch schon weiter.
Tavira – unser Abschied von Portugal
Den Rückweg durch die Algarve nutzten wir, um noch einen letzten Stopp in Portugal einzulegen – und zwar in der kleinen Küstenstadt Tavira, die oft auch als „Venedig der Algarve“ bezeichnet wird.
Eigentlich sollte Tavira schon unser erstes Ziel nach der Einreise nach Portugal sein. Doch da machte uns die Realität einen Strich durch die Rechnung: Der einzige offizielle Stellplatz war komplett ausgebucht. Also verschoben wir den Besuch kurzerhand – und starteten jetzt einen zweiten Versuch.
Dieses Mal mit Erfolg: Im Algarve Motorhome Park Tavira bekamen wir für 9,50 € einen der letzten freien Plätze. Zwar lag dieser direkt neben einer Bahnlinie, aber für eine Nacht war das absolut in Ordnung.
Tavira selbst hat seinen ganz eigenen Charakter. Kein verschlafenes Postkartenidyll, sondern eine lebendige, typisch portugiesische Kleinstadt mit einem angenehm entspannten Flair. Statt spektakulärer Klippen oder dramatischer Küstenlinien erwarten einen hier belebte Plätze, kleine Cafés und verwinkelte Gassen, in denen sich das alltägliche Leben abspielt. Weiß getünchte Häuser mit den typischen Azulejos prägen das Stadtbild und verleihen Tavira diesen ganz besonderen Charme.
Mitten durch die Stadt fließt der Rio Gilão, über den sich die charmante Römische Brücke von Tavira spannt – eines der bekanntesten Fotomotive der Stadt. Von hier aus lässt sich das Treiben wunderbar beobachten, während man einfach ein bisschen die Zeit vergisst.
Die bekannten Strände rund um Tavira liegen übrigens nicht direkt vor der Tür. Orte wie die Ilha de Tavira erreicht man nur mit der Fähre oder einem Wassertaxi. Genau das macht sie wohl auch so besonders: weitläufige, ruhige Sandstrände, die deutlich weniger überlaufen sind als an vielen anderen Stellen der Algarve.
Wir entschieden uns allerdings bewusst dagegen. Nach all den Strand- und Küstenstopps der letzten Tage hatten wir mehr Lust auf Stadt als auf Sand. Stattdessen verbrachten wir den Tag damit, durch die Gassen zu schlendern, immer wieder neue Ecken zu entdecken und einfach die entspannte Stimmung aufzusaugen.
Und genau das machte Tavira für uns zu einem perfekten Abschluss. Kein großes Highlight, kein „Wow-Moment“ wie an den Klippen zuvor – sondern ein Ort, der leise überzeugt. Einer, an dem man einfach gern noch ein bisschen bleibt.
Ein letzter Spaziergang durch die warmen Straßen, ein letzter Blick auf den Fluss – und dann hieß es auch für uns: Abschied nehmen von der Algarve.



Fazit: Algarve
Am Ende waren wir einfach nur froh, auf unser Bauchgefühl gehört zu haben. Trotz unsicherer Wetterlage haben wir uns spontan für die Algarve entschieden – und genau das war die richtige Entscheidung.
Die kurze Zeit haben wir perfekt genutzt, ohne festen Plan, dafür mit vielen spontanen Stopps und Eindrücken. Besonders die Steilküste mit ihren beeindruckenden Felsformationen hat uns nachhaltig begeistert. Jeder Abschnitt hatte seinen eigenen Charakter und immer wieder diese Momente, in denen man einfach nur staunend vor dem Atlantik stand.
Auch die Mischung aus Natur und kleinen Orten wie Tavira hat die Reise abgerundet – entspannt, authentisch und typisch portugiesisch.
Am Ende bleibt vor allem eins: Die Gewissheit, dass es definitiv nicht unser letzter Besuch in Portugal gewesen ist. Dafür gibt es hier einfach noch viel zu viel zu entdecken.
Sevilla – ein unerwartetes Highlight in Andalusien
Nach der beeindruckenden Zeit an der Algarve ging es für uns wieder zurück nach Spanien – mit einem letzten großen Stopp auf dieser Reise: Sevilla.
Eigentlich gehören wir nicht zu den typischen Großstadt-Fans. Zu laut, zu hektisch, zu viel Programm. Aber irgendwie ließ uns diese Stadt nicht los. Schon auf der Hinfahrt hatten wir kurz überlegt, ob wir sie mitnehmen sollten, sind damals aber wegen des durchwachsenen Wetters weitergezogen. Jetzt, bei Sonne und rund 22 Grad, fühlte es sich an, als wäre genau der richtige Moment gekommen.
Unser Stellplatz, der Area Autocaravanas Sevilla, war zwar funktional, aber ehrlich gesagt ziemlich chaotisch. Dafür aber perfekt gelegen, um die Stadt zu Fuß zu erkunden. Nach etwa 30 Minuten Spaziergang waren wir mitten im Geschehen – und schon dieser Weg hat uns langsam in den Rhythmus von Sevilla gebracht: Palmen, warme Luft, helle Fassaden und dieses typische südspanische Lebensgefühl.
Der Plaza de España – Wow-Moment ohne Vorbereitung
Der erste richtige „Okay, krass“-Moment kam am Plaza de España. Auch wenn man den Platz von Fotos kennt, wirkt er in echt nochmal ganz anders. Die Dimensionen sind beeindruckend, vor allem aber die vielen kleinen Details: die Brücken über den Wasserkanälen und überall die farbenfrohen Keramikfliesen, die jeweils eine spanische Provinz darstellen – mit kunstvollen Szenen, Karten und liebevollen Ornamenten. Man könnte hier problemlos eine halbe Stunde einfach entlanglaufen und würde trotzdem immer wieder etwas Neues entdecken.
Auch die Atmosphäre macht den Ort besonders. Unter den Bögen spielen Straßenmusiker, Pferdekutschen rollen gemächlich über das Kopfsteinpflaster, und immer wieder bleiben Menschen einfach stehen, weil dieser Platz einen fast automatisch entschleunigt.
Man versteht sofort, warum er zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Spaniens gehört – er ist nicht nur beeindruckend schön, sondern gleichzeitig auch lebendig und voller Stimmung.



Santa Cruz und Arenal
Weiter ging es ins Viertel Santa Cruz, das ehemalige jüdische Viertel der Stadt. Hier wird Sevilla plötzlich ganz anders: enge Gassen, weiße Häuser, versteckte Innenhöfe und überall kleine Plätze, auf denen man einfach hängen bleiben könnte.
Es ist eines dieser Viertel, in denen man sich bewusst treiben lassen muss. Kein Plan funktioniert hier lange – und genau das macht es so angenehm. Hinter jeder Ecke wartet ein kleines Detail: ein blumengeschmückter Balkon, eine alte Holztür oder eine ruhige Bar im Schatten.
Auch das Viertel El Arenal hat uns überrascht. Es wirkt etwas „echter“ und weniger inszeniert als andere Teile der Altstadt. Hier spürt man noch stärker den Alltag der Stadt – kombiniert mit historischen Gebäuden und typischen Tapas-Bars.
Sevilla schafft diesen Spagat erstaunlich gut: Auf der einen Seite Tourismus-Hotspot, auf der anderen Seite eine Stadt, die sich selbst nicht komplett dafür verbiegt.
Sevilla hat uns doch gepackt
Am Ende des Tages waren wir ziemlich platt – die Schrittzahl hat es bestätigt. Aber gleichzeitig auch ein bisschen überrascht, wie sehr uns die Stadt gefallen hat. Obwohl wir ohne große Erwartungen gekommen sind, hat Sevilla genau das geschafft, was gute Städte oft machen: Sie bleibt hängen.
Die Mischung aus beeindruckender Architektur, entspannten Plätzen, kleinen Vierteln mit Charakter und diesem warmen, südspanischen Lebensgefühl ist schwer zu übersehen. Dazu kommt diese besondere Stimmung am Abend, wenn die Sonne langsam untergeht und die Stadt noch einmal ruhiger wirkt.
Eigentlich schade, dass uns die Reise langsam zurück Richtung Heimat drängt. Sevilla wäre definitiv eine Stadt gewesen, die mehr Zeit verdient hätte – nicht nur für die bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern gerade für die vielen kleinen Ecken dazwischen.
Mérida – ein kurzer Abstecher in die römische Vergangenheit
Unser nächster Stopp auf dem Rückweg führte uns nach Mérida, eine eher unscheinbare Stadt im Südwesten Spaniens, die geschichtlich aber einiges zu bieten hat. Gegründet wurde sie bereits 25 v. Chr. von den Römern als „Augusta Emerita“ und war damals eine der wichtigsten Städte der Region.
Von unserem kostenlosen Stellplatz aus machten wir uns zu Fuß auf den Weg, um die noch erhaltenen Ruinen zu erkunden, die heute ziemlich selbstverständlich ins Stadtbild integriert sind.
Los ging es für uns am Templo de Diana. Die gut erhaltenen Säulen stehen heute etwas ungewohnt zwischen neueren Gebäuden, was dem Ort einen besonderen, wenn auch leicht widersprüchlichen Charme verleiht.
Anschließend schauten wir uns das Acueducto de los Milagros an. Die Bögen wirken schon ziemlich beeindruckend und geben einen guten Eindruck davon, wie fortschrittlich die römische Bauweise damals war. Auch wenn alles etwas weitläufig ist, hat die Anlage definitiv ihren Reiz.
Auch die Puente Romano haben wir uns angesehen. Sie zählt zu den längeren römischen Brücken Spaniens und wird teilweise noch genutzt. Der Spaziergang darüber ist entspannt und man bekommt zumindest ein kleines Gefühl dafür, wie präsent die Geschichte hier noch ist.
Das römische Theater und das Amphitheater haben wir bewusst ausgelassen, da sie nur im Rahmen eines kostenpflichtigen Areals zugänglich sind. Gerade das Theater soll eines der bedeutendsten in ganz Spanien sein und wird im Sommer sogar noch für Aufführungen genutzt.
Stattdessen schlenderten wir noch etwas durch die Stadt, die insgesamt eher ruhig und unaufgeregt wirkt. Mérida ist definitiv interessant, vor allem wenn man sich für Geschichte begeistert oder ohnehin auf der Route liegt.
Trotzdem müssen wir ehrlich sagen: Nachdem wir im letzten Jahr auf unserer Italienreise einige wirklich beeindruckende römische Stätten gesehen haben, konnte uns Mérida nicht ganz so abholen. Es war ein schöner Zwischenstopp – aber keiner, der uns nachhaltig umgehauen hat.


Arguedas – Höhlenwohnungen mit Geschichte
Nach einem zweitägigen, krankheitsbedingten Zwangsstopp in Talavera de la Reina ging es am 16. März endlich weiter – unser nächstes Ziel: Arguedas. Ein kleiner Ort, den man ohne die besonderen Höhlenwohnungen vermutlich einfach übersehen würde.
Direkt oberhalb des Ortes liegen die bekannten Cuevas de Arguedas. Früher wurden diese Höhlen tatsächlich bewohnt – vor allem von einfacheren Familien, die sich keine „klassischen“ Häuser leisten konnten. Bis in die 1960er Jahre hinein dienten sie als ganz normale Wohnräume.
Das Spannende daran: Die Höhlen sind nicht einfach natürliche Formationen, sondern wurden aktiv in den weichen Fels gegraben. Dadurch entstanden kleine Wohnräume, die erstaunlich gut isoliert sind – im Sommer angenehm kühl, im Winter relativ konstant in der Temperatur. Wenn man davorsteht, kann man sich gut vorstellen, wie das Leben hier früher ausgesehen haben muss.
Heute sind viele der Höhlen restauriert oder zumindest von außen zugänglich, einige wurden sogar zu kleinen Unterkünften umgebaut. Insgesamt wirkt die Anlage aber ruhig und ursprünglich – kein überlaufener Touristen-Hotspot, sondern ein Ort, den man entspannt zwischendurch erkunden kann.
Stellplatz mit besonderer Lage
Wir standen auf dem kostenlosen Stellplatz direkt unterhalb der Höhlen, was die Erkundung natürlich super unkompliziert gemacht hat. Einfach loslaufen und ein paar Minuten später steht man schon mitten zwischen den in den Fels gebauten Häusern.
Besonders schön war die Stimmung am Abend: Sobald es dunkel wird, wird der Felsen angestrahlt und leuchtet in unterschiedlichen Farben. Das gibt dem Ort nochmal eine ganz andere Atmosphäre – fast ein bisschen surreal.
Ein weiterer Grund für unseren Stopp hier war die Nähe zu den Bardenas Reales. Der Stellplatz eignet sich perfekt als Ausgangspunkt, um am nächsten Tag in diese außergewöhnliche Halbwüstenlandschaft zu starten.
Bardenas Reales – mit dem Wohnmobil durch die Halbwüste
Am nächsten Morgen ging es für uns früh weiter – mit einem Ziel, auf das wir uns schon lange gefreut hatten: die Bardenas Reales. Diese Halbwüstenlandschaft im Norden Spaniens wirkt auf Fotos schon beeindruckend, aber wenn man selbst mittendrin ist, fühlt es sich nochmal ganz anders an.
Das Besondere hier: Man kann die Bardenas tatsächlich mit dem Wohnmobil durchfahren. Eine rund 30 Kilometer lange Schotterpiste führt einmal durch die Landschaft und bietet immer wieder Möglichkeiten, anzuhalten, auszusteigen und die Umgebung zu erkunden.
Die Strecke ist gut machbar, auch wenn es stellenweise etwas holprig wird. Dafür wird man aber ständig mit neuen Ausblicken und Landschaften belohnt – und genau das macht den Reiz aus. Es gibt keinen festen „Hauptspot“, sondern viele kleine Highlights entlang des Weges.
Landschaft wie aus einer anderen Welt
Die Bardenas Reales gehören zu den trockensten Regionen Spaniens und sind geprägt von Erosion. Wind und Wasser haben über Jahrtausende bizarre Felsformationen geschaffen: Tafelberge, tiefe Schluchten und einzelne, fast turmartige Gebilde, die aus der Landschaft herausragen.
Das bekannteste Motiv ist der Castildetierra – eine markante, kegelförmige Felsformation, die man schon von vielen Bildern kennt. Aber auch abseits davon gibt es unzählige Stellen, an denen man einfach anhält und nur schaut.
Die Farben wechseln je nach Licht ständig zwischen Beige, Ocker und Grau, und insgesamt erinnert die Landschaft stellenweise fast an eine Mondlandschaft – karg, weitläufig und irgendwie unwirklich.
Mitten auf der Strecke hatten wir dann noch eine ziemlich besondere Begegnung: Ein Fuchs kreuzte unseren Weg – und zeigte dabei absolut keine Scheu. Ganz im Gegenteil: Er wirkte fast neugierig und blieb eine ganze Weile in unserer Nähe. Man merkt schnell, dass die Tiere hier an Menschen gewöhnt sind, auch wenn man natürlich trotzdem Abstand halten sollte.
Was viele nicht wissen: Ein Teil der Bardenas wird tatsächlich militärisch genutzt. Es gibt ein aktives Übungsgebiet, in dem regelmäßig Manöver stattfinden. Die entsprechenden Bereiche sind aber klar gekennzeichnet und für Besucher gesperrt.


Fazit – definitiv ein Highlight der Reise
Die Bardenas Reales waren für uns eines der landschaftlichen Highlights der gesamten Reise. Diese Weite, die Ruhe und die außergewöhnlichen Formationen machen den Ort wirklich besonders.
Es ist kein klassisches „Sightseeing-Ziel“, sondern eher ein Erlebnis – eines, bei dem man einfach unterwegs ist, anhält, schaut und die Landschaft auf sich wirken lässt.
Wichtig zu wissen:
Auch wenn es unglaublich reizvoll wäre: In den Bardenas Reales selbst ist das Übernachten strikt verboten. Es gibt keine offiziellen Stellplätze innerhalb des Naturparks, und Kontrollen sind keine Seltenheit.
Capbreton – ein letzter Tag am Meer
Nach diesem beeindruckenden Erlebnis in den Bardenas Reales beschlossen wir, das gute Wetter noch einmal voll auszunutzen – mit einem entspannten Strandtag, bevor es endgültig Richtung Heimat gehen sollte. Unser Ziel war Capbreton, ein kleiner Küstenort im Südwesten Frankreichs, der vor allem für seine langen Sandstrände und die guten Surfbedingungen bekannt ist.
Der Stellplatz Aire de Camping-Car Capbreton (11 Euro pro Nacht) hätte dafür kaum besser liegen können: direkt am Meer und nur wenige Schritte bis zum Strand. Vor uns lag ein weiter, offener Küstenabschnitt – genau so, wie man sich die Atlantikküste vorstellt, mit viel Platz, frischer Luft und dem konstanten Rauschen der Wellen im Hintergrund.
Die teilweise recht hohen Wellen machen Capbreton zu einem beliebten Spot für Surfer, und genau das konnten wir den ganzen Tag über beobachten. Ständig waren Leute im Wasser, warteten auf die perfekte Welle oder liefen mit ihren Boards am Strand entlang. Es hatte fast etwas Meditatives, einfach dazusitzen und dem Treiben zuzuschauen.
Wir haben den Tag ganz bewusst ruhig angehen lassen: ein bisschen am Strand entlanglaufen, die Sonne genießen und einfach nochmal aufs Meer schauen. Gleichzeitig war da aber auch dieses Gefühl, dass sich die Reise langsam dem Ende zuneigt. Nach all den Eindrücken und Momenten am Wasser hieß es nun, sich innerlich schon einmal zu verabschieden – denn ab jetzt ging es über das Landesinnere in grossen Schritten Richtung Heimat.
Kaysersberg – ein ruhiger Abschied im Elsass
Ein letzter Stopp unserer Reise wartete noch auf uns: Kaysersberg im Elsass.
Die Fahrt dorthin war nochmal ein kompletter Szenenwechsel. Statt Dünen und Wellen ging es durch sanfte Hügel, vorbei an Weinbergen und kleinen, verschlafenen Dörfern – typisch Elsass eben. Kaysersberg selbst liegt an der berühmten Elsässische Weinstraße und ist einer der beliebtesten Orte der Region.
Da wir auf unserer Frankreichreise im letzten Jahr bereits Colmar besucht hatten – und absolut begeistert waren – waren wir umso gespannter, wie sich Kaysersberg im Vergleich anfühlen würde.
Vom offiziellen Stellplatz (10 € für 24 Stunden) ging es direkt in die Altstadt. Bunte Fachwerkhäuser, schiefe Fensterläden, überall Blumen und kleine Details, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt.
Wir ließen uns einfach treiben, schlenderten durch die engen, gepflasterten Gassen und überquerten die kleine Steinbrücke über die Weiss, die sich ruhig durch den Ort zieht. Immer wieder öffneten sich neue Perspektiven – mal ein versteckter Innenhof, mal ein kleiner Laden, mal ein perfekter Fotospot.
Alles wirkte wie aus einem Bilderbuch, aber gleichzeitig überhaupt nicht künstlich.
Natürlich ging es auch hinauf zur Château de Kaysersberg, von wo aus man einen schönen Blick über die Dächer des Ortes und die umliegenden Weinberge hat. Auch wenn im März noch nicht alles in sattem Grün steht, hat die Landschaft ihren ganz eigenen Charakter.
Kaysersberg selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück und gehört zu den schönsten Orten entlang der Elsässische Weinstraße. Außerdem ist es der Geburtsort von Albert Schweitzer – ein kleines Detail, das man hier immer wieder entdeckt.
Unser letzter Tag fühlte sich ruhig und stimmig an. Kein großes Programm mehr, kein „noch schnell alles mitnehmen“ – sondern einfach durchatmen, schauen und die Reise langsam ausklingen lassen. Kaysersberg war dafür genau der richtige Ort.


Hier ein paar Daten zu unserem Roadtrip Spanien / Portugal:
Insgesamt gefahrene Kilometer: 6661 km
Die reine Fahrzeit für diesen Trip betrug: 100 Stunden
Reisedauer: von 25.01.2026 bis 22.03.2026 (56 Tage)
Kosten Sprit: 1120,- Euro
Kosten Maut: 290,- Euro
Unsere Route im Überblick:

























