Frankreich Roadtrip mit dem Wohnmobil im Sommer 2025

Unsere letzte Frankreich-Tour im Frühjahr verlief ja doch anders als geplant – und so blieb vieles von unserer Wunschliste unentdeckt. Zeit also für Runde zwei! Diesmal haben wir von Mitte August bis Mitte Oktober freie Bahn und steuern, wetterbedingt, den sonnigen Südosten an.
Außer unser Womo startklar zu machen, gab es eigentlich nichts mehr vorzubereiten – die Crit’Air-Plakette (französische Umweltplakette) hatten wir ja schon. Und auch die Registrierung für das Free-Flow-System bei www.sanef.com und www.aliae.com war noch aktiv. Also hieß es nur einsteigen und losfahren!

Erster Stopp: Colmar – Fachwerk, Flair und französische Lebensart

Am 21. August 2025 ging es los: Gegen Mittag starteten wir – voller Vorfreude auf neue Eindrücke und Abenteuer. Schon am frühen Abend erreichten wir unser erstes Ziel: Colmar, das Herz der elsässischen Weinstraße.
Für 8 € pro 24 Stunden stellten wir unseren “kleinen Dicken” auf dem offiziellen Wohnmobilstellplatz ab und machten uns direkt auf, die Stadt zu erkunden. Und was soll man sagen: Colmar hat uns sofort in seinen Bann gezogen. Die Stadt gilt tatsächlich nicht umsonst als eine der schönsten im Elsass – sie wird oft „Klein-Venedig“ genannt, weil sich entlang der Fachwerkhäuser kleine Kanäle ziehen. Besonders in der Abendbeleuchtung wirkt das Ganze fast märchenhaft: bunt angestrahlte Häuser, gemütliche Gassen und eine Atmosphäre, die sofort Urlaubsfeeling aufkommen lässt.

Colmar hat außerdem eine lange Geschichte – erstmals erwähnt wurde es bereits im 9. Jahrhundert. Heute ist es bekannt für seinen gut erhaltenen Altstadtkern, die vielen Fachwerkhäuser aus dem Mittelalter und die Weinbautradition. Wer durch die Straßen schlendert, entdeckt überall kleine Cafés, Restaurants und Läden. Besonders beeindruckend ist auch das Maison Pfister, ein prachtvolles Renaissancehaus von 1537, das auch als Inspirationsquelle für die Stadtlandschaft im Anime “Das wandelnde Schloss” diente.

Uns hat an diesem ersten Abend aber vor allem das Flair fasziniert: die warmen Lichter, das Spiegeln der Häuser im Wasser, und die entspannte Stimmung in den Gassen. Ein perfekter Einstieg in unsere Tour!

Die Cascades de Baume-les-Messieurs – Naturidylle im Juratal

Am nächsten Tag führte uns unsere Route ins Juratal – genauer gesagt zu den berühmten Cascades de Baume-les-Messieurs
Die Fahrt dorthin war schon ein Abenteuer für sich: enge, kurvige Straßen durch ein tief eingeschnittenes Tal, die unsere Nerven ganz schön strapazierten. Als wir schließlich am offiziellen Parkplatz ankamen, kam die Ernüchterung – komplett überfüllt. Also blieb uns nichts anderes übrig, als die schmale Straße wieder hinaufzufahren, ohne auch nur einen Blick auf die Wasserfälle erhascht zu haben.
Doch aufgeben wollten wir noch nicht! Etwas oberhalb der Schlucht hatten wir Glück und fanden einen kleinen Parkplatz. Von dort aus erwartete uns zwar ein steiler Abstieg ins Tal, doch das war es uns wert!

Die Cascades de Baume-les-Messieurs bestehen aus mehreren Wasserfällen, die über Kalkstufen in die Schlucht stürzen und eine beeindruckende Naturkulisse schaffen. Umgeben von moosbewachsenen Felsen, Höhlen und dichter Vegetation wirkt das Ganze fast märchenhaft. Normalerweise rauschen die Fälle besonders nach Regenfällen oder im Frühjahr spektakulär in die Tiefe – bei unserem Besuch war der Wasserfluss allerdings recht schwach. Statt tosender Wassermassen erwarteten uns eher feine Rinnsale, die sich über die Felsen schlängelten.

Trotzdem war der Ort absolut sehenswert: Die imposante Felskulisse und die besondere Stimmung der Schlucht machten den Abstieg zu einem Erlebnis, das wir nicht missen möchten.

  • Beste Besuchszeit: Frühling und nach Regenfällen – dann führen die Wasserfälle deutlich mehr Wasser und wirken besonders beeindruckend.
  • Parken: Offizieller Parkplatz direkt im Tal (im Sommer oft schnell voll). Alternativ kleinere Parkmöglichkeiten oberhalb der Schlucht – dann allerdings mit steilem Abstieg ins Tal.
  • Wanderung: Vom oberen Parkplatz ca. 20–30 Minuten Abstieg (festes Schuhwerk empfohlen). Der Rückweg ist entsprechend anstrengender, da es steil bergauf geht.
  • Sehenswürdigkeiten in der Nähe: Das malerische Dorf Baume-les-Messieurs, bekannt als eines der „Plus Beaux Villages de France“, sowie die beeindruckende Abtei Saint-Pierre und die Höhlen (Grottes de Baume-les-Messieurs).
  • Tipp: In der Hochsaison früh am Tag oder gegen Abend kommen – dann ist es deutlich ruhiger.

Annecy: Zwei Tage Entspannung Im Herzen der Alpen

Als Nächstes stand die charmante Ortschaft Annecy auf unserer Route, oft liebevoll das „Venedig der Alpen“ genannt. Für unseren Aufenthalt wählten wir den kleinen, familiengeführten Campingplatz Le Verger in Sevrier – und hatten tatsächlich Glück: Trotz Hochsaison bekamen wir einen Stellplatz für zwei Nächte zu einem fairen Preis von 18 Euro/Nacht.

Direkt vor dem Campingplatz verläuft ein Fahrradweg, der bequem bis ins Zentrum von Annecy führt. Perfekt, um gleich unser neues Mini E-Bike Fido D3 Pro auszuprobieren – und ja – dieses kleine Teil macht riesigen Spaß! So konnten wir gemütlich bis ins Zentrum fahren und anschließend durch die malerische Altstadt (Vieille Ville) mit ihren engen Gassen, bunten Häusern und kleinen Brücken schlendern. Besonders sehenswert sind die Rue Sainte-Claire mit ihren Arkaden und das historische Palais de l’Île – ein ehemaliges Gefängnis auf einer kleinen Insel im Fluss Thiou.

Der Radweg führt entlang des glasklaren Lac d’Annecy, der nicht nur wunderschön anzusehen, sondern auch ideal zum Baden ist. Hier kann man Stand-Up-Paddling ausprobieren, Tretboote mieten oder an einer der verschiedenen Bootstouren über den See teilnehmen. Wer lieber an Land bleibt, kann die Jardins de l’Europe, einen weitläufigen Park am Seeufer, für Spaziergänge oder ein Picknick nutzen.
Eine Mischung aus Radfahren, Seeblick und Altstadtbummel – so lässt sich Annecy wirklich wunderbar entdecken.

💡 Annecy – Tipps für euren Besuch
Praktisch: E-Bikes oder normale Fahrräder eignen sich perfekt, um den See und die Stadt stressfrei zu erkunden.
Beste Besuchszeit: Frühling bis Herbst – dann zeigt sich der See von seiner schönsten Seite und die Altstadt ist besonders lebendig.
Camping: Entlang der Hauptstrasse befinden sich zahlreiche Campingplätze, auf denen man auch oft spontan noch einen Platz bekommt.
Sehenswert:
Altstadt (Vieille Ville)
mit engen Gassen, bunten Häusern und kleinen Brücken
Palais de l’Île, ehemaliges Gefängnis auf einer kleinen Insel im Fluss Thiou
Château d’Annecy, mittelalterliche Burg mit Museum und Aussicht auf Stadt & See
Pont des Amours – die berühmte „Liebesbrücke“
Aktivitäten am See: Schwimmen, Stand-Up-Paddling, Tretboote oder Bootstouren. Radfahren auf dem See-Rundweg ca. 40 km lang.
Parks & Erholung: Jardins de l’Europe für Spaziergänge oder Picknick mit Seeblick.

Abenteuer Verdon-Schlucht

Nach unserer Ankunft in der Provence stand für uns ein ganz besonderes Highlight auf dem Programm: die Verdon-Schlucht, auch „Grand Canyon du Verdon“ genannt. Mit bis zu 700 Metern Tiefe ist sie die größte Schlucht Europas. Entstanden ist sie durch den Fluss Verdon, der sich über Jahrtausende in das Kalkgestein gefräst hat – ein Naturwunder, das man einfach einmal gesehen haben muss.

Wir entschieden uns, die berühmte Panoramastraße D952 zu fahren. Da wir im August mit viel Betrieb rechneten, suchten wir uns schon am Vorabend einen Übernachtungsplatz ganz in der Nähe. So konnten wir am nächsten Morgen direkt starten.
Die Strecke selbst war ein echtes Abenteuer: enge Straßen, schroffe Felsüberhänge und immer wieder Blicke in die schwindelerregende Tiefe. Mit dem Wohnmobil braucht es hier etwas Konzentration, aber die Fahrt lohnt sich auf jeden Fall. Die Aussichten über die türkisgrün leuchtende Verdon und die steilen Felswände sind schlicht atemberaubend.
Etwas schade war, dass die wenigen offiziellen Aussichtspunkte schon früh am Tag belegt waren – die Hochsaison machte sich hier schon bemerkbar. Trotzdem konnten wir zwischendurch anhalten und die einzigartige Landschaft auf uns wirken lassen.

Eines steht fest: Wir kommen wieder. Beim nächsten Mal möchten wir die Schlucht jedoch von unten erleben – sei es mit einer Wanderung entlang des Flusses oder mit dem Kanu durch das türkisfarbene Wasser. So bekommt man sicher noch einmal eine ganz neue Perspektive auf dieses Naturwunder.

Côte d’Azur – wir kommen

Nach der wilden Berglandschaft zog es uns ans Meer – an die berühmte Côte d’Azur. Da wir keine Freunde großer, überfüllter Campingplätze sind und außerdem nie vorbuchen, stand zunächst die Suche nach einem Übernachtungsplatz auf dem Plan. Schon bei unserem ersten Versuch in Sainte-Maxime wurden wir fündig: Der kleine Campingplatz La Beaumette erwies sich als echter Glücksgriff.
Für 17,70 Euro pro Nacht inklusive Strom bekamen wir nicht nur einen geräumigen Stellplatz, sondern auch Zugang zu einem Pool – bei den sommerlichen Temperaturen ein echter Luxus. So entschieden wir uns, gleich vier Nächte zu bleiben und die Umgebung in aller Ruhe zu erkunden.

Saint-Tropez – zwischen Luxus und Charme

Natürlich durfte hier ein Besuch in Saint-Tropez nicht fehlen – schließlich ist der kleine Hafenort weltberühmt und ein Symbol der Côte d’Azur. Um dort hinzukommen entschieden wir uns für den bequemsten Variante – die Fähre von Sainte-Maxime nach Saint-Tropez. Für 16,50 Euro (Hin- und Rückfahrt) gleitet man in nur rund 15 Minuten über die Bucht und kommt direkt am Hafen von Saint-Tropez an.
Kaum angekommen, spürten wir sofort das besondere Flair der Stadt: Saint-Tropez ist Bühne und Laufsteg zugleich. Entlang des Hafens reiht sich eine Luxusjacht an die nächste, und überall trifft man auf Menschen, die vor allem gesehen werden wollen. Sonnenbrillen, Designer-Outfits und ein auffälliges Auftreten gehören hier fast schon zum Stadtbild – ein Spektakel für sich.
Wir spazierten entlang des Hafens, wo neben all den Yachten auch zahlreiche Maler zu sehen waren, die ihre Kunstwerke anboten. Anschließend tauchten wir in die verwinkelten Gassen der Altstadt ein, schlenderten vorbei an exklusiven kleinen Boutiquen und hielten schließlich bei der alten Gendarmerie-Station, die durch die Kultfilme mit Louis de Funès weltberühmt wurde.
Müde, aber voller Eindrücke machten wir uns am frühen Abend wieder auf den Rückweg nach Sainte-Maxime.

Und ja – Saint-Tropez ist mondän, ein bisschen extra schick und manchmal fast klischeehaft. Aber es hat eben auch diesen einzigartigen Charme, der sich schwer beschreiben lässt. Man merkt, warum Künstler, Schauspieler und Segler seit Jahrzehnten hierherkommen.

Sainte-Maxime – entspanntes Küstenflair

Am nächsten Tag machten wir uns noch einmal auf nach Sainte-Maxime. Diesmal nicht, um die Fähre zu nehmen, sondern um das Städtchen selbst in Ruhe zu erkunden. Es überraschte uns mit seiner angenehmen Mischung: eine palmengesäumte Promenade, kleine Boutiquen und gemütliche Cafés. Der breite Sandstrand, der sich direkt am Zentrum entlangzieht ist zwar ziemlich überlaufen, aber perfekt um die Füße zwischendurch ins Meer zu stecken.
Trotz der touristischen Lage wirkt Sainte-Maxime angenehm lebendig, aber nicht so überlaufen wie Saint Tropez. Hier spürt man das typische Côte d’Azur-Flair, ohne sich im Trubel zu verlieren – genau die richtige Mischung aus Aktivität und Entspannung.

Saintes-Maries-de-la-Mer – Strandfeeling und Safari in der Camargue

Stellplatz Saintes-Maries-de-la-Mer

Nach vier entspannten Tagen machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Süden – genauer gesagt Richtung Saintes-Maries-de-la-Mer, ein kleiner Ort direkt am Mittelmeer, mitten in der Camargue.
Unser Stellplatz war ein Volltreffer – für 16 Euro/Nacht direkt am Meer um direkt vom Camper aus baden zu gehen und morgens vom Wellenrauschen geweckt zu werden – besser geht’s kaum!

Die Tage dort verbrachten wir natürlich viel am Strand und haben einfach nur die Sonne genossen, gebadet und die Seele baumeln lassen. Ein etwa 30 minütiger Spaziergang brachte uns ins Zentrum von Saintes-Maries-de-la-Mer. Das Städtchen hat einen ganz besonderen Charme: schmale Gassen mit weißen Häusern, kleine Läden, die von bunten Souvenirs über Olivenöl bis hin zu typischen Camargue-Spezialitäten alles anbieten. 

Ein Highlight ist die Kirche Notre-Dame-de-la-Mer, die mitten im Ort thront. Von außen eher schlicht, fast schon festungsartig, aber mit einer spannenden Geschichte: Sie ist eng mit der Legende der „Heiligen Marien“ verbunden, nach denen der Ort benannt ist. Von oben hat man übrigens einen tollen Blick über die Dächer der Stadt und das Meer.
Auffällig in Saintes-Maries-de-la-Mer ist , dass man wirklich überall auf Stiere trifft – sei es als Statue, in Wandmalereien, als Symbol auf Souvenirs oder auf den Plakaten der Arena mitten im Ort. Die Camargue-Stiere gehören fest zur Kultur und Tradition der Region. Sie werden hier nicht nur gezüchtet, sondern sind ein wichtiges Symbol für die Identität der Bewohner. Besonders bedeutend ist die „Course Camarguaise“, eine Art Stierlauf, bei dem die Tiere jedoch nicht getötet werden – ein Unterschied zur spanischen Corrida. Stattdessen wird die Geschicklichkeit der Teilnehmer getestet, die versuchen, dem Stier kleine Bänder von den Hörnern zu entreißen. 

Für ein bisschen Abenteuer ging es dann mit der kleinen Bimmelbahn los, die uns für 10 € pro Person durch den Parc naturel régional de Camargue kutschierte. Auf der Tour haben wir wirklich alles gesehen, was die Camargue so besonders macht: Flamingo-Kolonien, die typischen weißen Pferde, die halbwild in den Sümpfen und auf den Wiesen leben und natürlich die schwarzen Camargue-Stiere, die hier gezüchtet werden. Das war fast schon wie eine kleine Safari – nur eben auf französische Art.

Zwischen Türmen und Kopfsteinpflaster – Carcassonne entdecken

Nach vier Tagen am Meer hieß es für uns Abschied nehmen von der Côte d’Azur – und ab ins Landesinnere. Unser nächstes Ziel: die berühmte Festungsstadt Carcassonne
Für zwei Nächte schlugen wir unser Lager auf dem Campingplatz Municipal de la Cité auf (24 € pro Nacht). Super praktisch: Von hier aus kann man die Altstadt bequem zu Fuß erreichen.

Blick auf die Basilika St-Nazaire-St-Celse von Carcassonne

Und Carcassonne ist wirklich beeindruckend: Die mittelalterliche Festung ist wie aus einem Märchenbuch entsprungen. Hinter den gewaltigen Doppelmauern und Türmen versteckt sich die Cité de Carcassonne, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Ursprünglich war sie schon in der Römerzeit besiedelt, später bauten die Westgoten und dann im Mittelalter die Franzosen weiter – heute ist sie eine der größten noch erhaltenen Festungsanlagen Europas. 

Beim Schlendern durch die kopfsteingepflasterten Gassen gibt es jede Menge kleine Läden und gemütliche Cafés zu entdecken, die sich zwischen den alten Mauern und Türmen verstecken. Besonders beeindruckt hat uns die Basilika St-Nazaire-St-Celse mit ihren bunten Glasfenstern, die im Sonnenlicht wunderschön leuchten. Ein Highlight war auch der Spaziergang über die Stadtmauer – von dort oben hat man einen fantastischen Ausblick über Carcassonne und die Landschaft drumherum

Fazit: Wir waren total überrascht, wie gut die Festung erhalten ist – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

Zwischen Sand, Meer und Himmel – die Dune du Pilat

Anschließend ging es weiter zu unserem nächsten Highlight – der Dune du Pilat, der höchsten Wanderdüne Europas. Sie ist rund 110 Meter hoch, etwa 500 Meter breit und zieht sich fast 3 Kilometer entlang der Atlantikküste – das mussten wir einfach sehen! Wir steuerten den Camping de la Dune an, der direkt am Fuß der Düne liegt. Zwar hatten wir nicht reserviert, aber zum Glück bekamen wir spontan einen Platz für zwei Nächte (28 € pro Nacht).

Holztreppen Dune du Pilat

Kurz nach unserer Ankunft machten wir uns direkt auf den Weg nach oben. Der Aufstieg ist zwar etwas anstrengend – 110 Meter Sand unter den Füßen sind kein Spaziergang – aber ein Großteil der Strecke ist über eine Holztreppe recht leicht zu bewältigen und der Ausblick oben ist einfach der Wahnsinn. Vor uns der Atlantik, hinter uns der Pinienwald und Sand soweit das Auge reicht. Noch immer sieht man allerdings die Folgen der großen Waldbrände von 2022. Viele Bäume sind schwarz verkohlt, aber dazwischen sprießt schon wieder neues Grün und man kann sehen, wie die Natur sich langsam erholt.

Während wir die Aussicht genossen, schwebten zahlreiche Paragleiter lautlos über die Dünenkante – ein buntes und beeindruckendes Schauspiel. Doch das Wetter hielt leider nicht lange: Ein plötzlicher Regenschauer zwang uns zum frühen Abstieg. Später am Abend machten wir uns aber noch einmal auf den Weg, um die Düne im warmen Abendlicht zu erleben und den Sonnenuntergang von dort oben zu genießen – ein wirklich schöner Abschluss für den Tag.

Fazit: Die Dune du Pilat ist ein echtes Naturwunder und ein Ort, den man unbedingt erleben sollte! Es ist wirklich beeindruckend, wie sich diese riesige Sandmasse ständig verändert: Durch Wind und Wetter wandert die Düne jedes Jahr ein Stück weiter ins Landesinnere – etwa ein bis fünf Meter pro Jahr. Man spürt hier, wie lebendig Natur sein kann.

Arcachon – Villen, Promenade und Meer

Ville d´Hiver in Arcachon

Am nächsten Tag ging’s für uns mit Fahrrad und Scooter nach Arcachon – ein perfekter Ausflug vom Campingplatz aus. Die Stadt liegt direkt an der Atlantikküste und ist bekannt für ihre Strandpromenade, die historischen Häuser und natürlich die Nähe zur Dune du Pilat.

Unser erster Stopp war das charmante Viertel Ville d’Hiver. Schon beim Schlendern durch die Straßen merkt man, warum der Stadtteil so heißt: Hier stehen riesige Villen aus dem 19. Jahrhundert, umgeben von alten Bäumen und grünen Gärten. Jede Villa hat ihren eigenen Charakter – mit schicken Fassaden, verzierten Balkonen und kleinen Details, die richtig ins Auge springen. Man fühlt sich ein bisschen wie auf Zeitreise in die Belle Époque.
Danach ging’s in die Innenstadt. Kleine Cafés, Boutiquen und Marktstände laden hier zum Bummeln ein – und natürlich durfte auch ein Eis an der Promenade nicht fehlen.

Cap Ferret – Sonne, Sand und Quallen statt Badehose

Um das tolle Wetter noch auszunutzen, beschlossen wir spontan, die Halbinsel Cap Ferret zu besuchen und dort ein paar entspannte Badetage einzulegen. Cap Ferret liegt an der Spitze der Bassin d’Arcachon und ist bekannt für seine malerischen Surf- und Badestrände, kleine Fischerdörfer und den fantastischen Blick auf die Dune du Pilat.

Wir suchten uns einen kostenlosen Stellplatz direkt in Strandnähe – mitten in der Natur, umgeben von Kiefernwäldern. Von hier aus führte ein kurzer Spaziergang zu kilometerlangen, unberührten Stränden und kleine Dünen – und kaum jemand weit und breit. Kein Trubel, kein Rummel, einfach Meer, Sand und Wald.
Doch am Strand angekommen mussten wir leider feststellen, dass Schwimmen hier aktuell keine gute Idee war – der Sand war übersät mit angeschwemmten portugiesischen Galeeren. Da es nicht ratsam ist, mit diesen durchaus faszinierend aussehenden Wesen in Kontakt zu kommen, mussten wir uns leider damit begnügen, das Meer vom Strand aus zu genießen. 
Am nächsten Tag hieß es somit schweren Herzens weiterfahren – aber Cap Ferret bleibt definitiv ein Fleckchen, das man in Erinnerung behält. Wer Natur, unberührte Strände und stille Küsten liebt, sollte sich diesen Ort nicht entgehen lassen.

Zwischen Türmen und maritimem Flair – La Rochelle

Bevor es weiter zur Île de Ré ging, legten wir einen Stopp in der charmanten Küstenstadt La Rochelle ein. Die Stadt an der Atlantikküste blickt auf eine lange Geschichte zurück – ihre Ursprünge reichen bis ins 10. Jahrhundert. Besonders spannend ist die Mischung aus Geschichte, maritimem Flair und lebendigem Stadtleben, die La Rochelle so einzigartig macht.

Unser erster Halt war das Vieux-Port, der alte Hafen. Drei markante Türme – der Tour Saint-Nicolas, der Tour de la Chaîne und der Tour de la Lanterne – wachen hier über das Hafenbecken und verleihen dem Viertel sofort diesen typischen, historischen Charme. Es macht Spaß, einfach durch die Gassen und entlang des Wassers zu schlendern und die alten Gebäude auf sich wirken zu lassen.
Besonders toll war das lebhafte Treiben rund ums Hafenbecken. Überall Straßenmusiker, kleine Cafés und Restaurants, in denen man die Sonne genießen kann – ein richtig schöner Mix aus entspanntem Flanieren und quirliger Atmosphäre. Ein kleiner Spaziergang führte uns außerdem zum Leuchtturm am Quai Valin, der mit seinem weißen Turm direkt am Wasser steht. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Hafeneinfahrt, die Boote und die historische Skyline von La Rochelle – ein perfekter Ort  um kurz innezuhalten und das maritime Flair auf sich wirken zu lassen.

Was uns besonders gefallen hat: La Rochelle schafft diesen Spagat zwischen Tradition und Moderne. Historische Gebäude und Türme treffen hier auf bunte Boutiquen, kleine Galerien und belebte Cafés. So fühlt sich die Stadt gleichzeitig lebendig und gemütlich an – perfekt für einen entspannten Stadtbummel.

Île de Ré – Ruhe, Strand und pure Entspannung

Nach unserem Stopp in La Rochelle ging es weiter auf die Île de Ré, eine Insel an der Westküste Frankreichs, die auch als “Weiße Insel” bekannt ist. Und diesen Namen trägt sie nicht umsonst – lange weiße Strände und weiße Häuserfassaden verleihen der kleinen Atlantikinsel ihren unverwechselbaren Charme.
Ihren Namen verdankt die Insel jedoch vor allem dem Salz: Das Salzschöpfen hat hier Tradition und wird noch heute von den sogenannten Sauniers praktiziert.

Für die Anfahrt über die 2,9 Kilometer lange Brücke zahlten wir mit unserem Wohnmobil 8 Euro. Unser ursprünglicher Plan, auf einem Campingplatz unterzukommen, scheiterte allerdings – alles ausgebucht. Doch manchmal kommt es besser als gedacht: Le Bois-Plage-en-Ré wurde zu unserem Rettungsanker. Wir fanden einen wunderbaren Stellplatz ganz in Meeresnähe, inklusive Strom, für 19 Euro pro Nacht. Nur ein paar Schritte weiter erwartete uns ein traumhafter, feiner weißer Sandstrand – ausgezeichnet mit der Blauen Flagge, dem internationalen Gütesiegel für Sauberkeit, Sicherheit und Umweltfreundlichkeit.
Nach unserer Enttäuschung am Cap Ferret kamen wir hier also doch noch zu unseren ersehnten Strandtagen. Spontan beschlossen wir, einfach ein paar Tage zu bleiben – und sie genauso zu verbringen, wie man es sich nur wünschen kann: mit entspannten Stunden am Strand, ausgedehnten Fahrradtouren durch die charmanten Dörfer und gemütlichen Bummeln über die lokalen Märkte.

La Flotte

Durch ein fast 100 km langes Netz aus Fahrradwegen, die von der Küste, bis ins Landesinnere reichen, ist mit dem Fahrrad bzw Scooter so gut wie alles zu erreichen. Besonders schön war unsere Tour durch die Weinberge nach Saint-Martin-de-Ré, mit seinem historischen Hafen und den alten Festungsmauern, und nach La Flotte, ein entzückendes Fischerdorf mit pastellfarbenen Häusern und einem kleinen Markt. Auch der Markt im Le Bois-Plage-en-Ré hatte alles, was man braucht: frisches Obst, lokale Spezialitäten und ein paar Inselsouvenirs zum Mitnehmen.

Was uns an der Île de Ré am meisten beeindruckt hat? Dieses wunderbare Gefühl von Entschleunigung. Alles wirkt entspannt, ruhig und freundlich – aber niemals langweilig. Stundenlang am Strand liegen, gemütlich über die Märkte schlendern oder einfach nur da sitzen und das besondere Inselflair aufsaugen – hier fällt es leicht, den Alltag hinter sich zu lassen.

Vannes – die bretonische Perle am Golfe du Morbihan

Nach drei Tagen voller Entspannung hieß es für uns leider Abschied nehmen von der Île de Ré. Glücklicherweise spielte das Wetter nicht mehr so richtig mit – Regen war angesagt – sodass uns das Loslassen ein bisschen leichter fiel. Gut erholt machten wir uns also auf den Weg zu neuen Abenteuern, diesmal nach Vannes in der Bretagne. Die Stadt liegt direkt an der Golfe du Morbihan – eine Bucht voller kleiner Inseln und malerischer Landschaften. Sie hat rund 55.000 Einwohner und verbindet auf wunderbare Weise Geschichte, Kultur und maritimes Flair.

Wir übernachteten auf einem Camping-Car-Park-Platz für 17 Euro pro 24 Stunden. Von dort ging es mit dem Bus direkt in die Altstadt – super praktisch!
Vannes selbst ist durchaus sehenswert. Die Altstadt mit ihren mittelalterlichen Fachwerkhäusern und verwinkelten Gassen lädt zum Bummeln und Verweilen ein. Besonders der Hafen von Vannes ist einen Besuch wert: Er ist das Herzstück der Stadt – hier trifft man auf segelnde Boote, zahlreiche Straßencafés und das bunte Treiben von Einheimischen und Touristen.
Die Stadtmauern, die teilweise noch aus dem Mittelalter stammen, sind gut erhalten und lassen sich teilweise zu Fuß erkunden. Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Kathedrale Saint-Pierre, das Château de l’Hermine

Halbinsel Quiberon – Wandern an der Côte Sauvage

Nach ein paar Tagen im Inland zog es uns wieder ans Meer – und zwar auf die wunderschöne Halbinsel Quiberon im Süden der Bretagne. Schon die Anfahrt war sehenswert – die schmale Landzunge verbindet das Festland mit der Insel und lässt links und rechts das Meer glitzern – ein Vorgeschmack auf das, was kommt.

Quiberon Côte Sauvage

Der Wohnmobilstellplatz lag perfekt: 12 Euro für 24 Stunden, nur 300 Meter vom Küstenwanderweg entfernt – also quasi direkt an der berühmten Côte Sauvage, der „wilden Küste“. Kaum angekommen, haben wir auch direkt die Wanderschuhe geschnürt und sind losgezogen – rund 30 Kilometer atemberaubende Panoramen erwarten einen hier. Und was sollen wir sagen? Wir waren schlichtweg begeistert: zerklüftete Klippen, von den Wellen geformte Bögen und ein Meer in allen Türkis- und Blautönen. Überall atemberaubende Ausblicke – hier fühlt man sich richtig klein, mitten in der Natur.
Nach einem langen Tag am Meer ging es zurück zum Wohnmobil, von wo aus wir am Abend noch einen traumhaften Sonnenuntergang über dem Atlantik bewundern konnten. 

Nachdem wir nun bereits den nördlichen Teil der Halbinsel erkundet hatten, sollte es am nächsten Tag in die entgegengesetzte Richtung gehen. Hierfür holten wir unser Fahrrad und unseren Scooter raus – denn Quiberon bietet jede Menge gut ausgebaute Radwege, die sich entlang der Küste und durch kleine Dörfer schlängeln.
Unser Ziel war die Spitze der Halbinsel, mit einem Stopp in der gleichnamigen Stadt Quiberon. Auch hier zeigte sich die Küste wieder von ihrer schönen Seite: kleine Buchten, Sandstrände, glitzerndes Meer. Wirklich sehenswert! Trotzdem mussten wir zugeben: die wilde Landschaft der Côte Sauvage vom Vortag hatte uns mehr fasziniert. Dieses raue, dramatische Küstenpanorama bleibt einfach unvergessen.

Die Stadt selbst war charmant und lebendig: bunte Boote im Hafen, kleine Cafés und reges Treiben. Perfekt für eine kurze Pause, ein Eis in der Sonne und ein bisschen Stadtflair zwischen all den Naturerlebnissen.

Pont-Aven – Dorf der Maler und Mühlen

Als nächstes Ziel stand die kleine bretonische Ortschaft Pont-Aven auf unserer Liste. Der kostenlose Gemeindestellplatz erwies sich als idealer Ausgangspunkt, um das verträumte Städtchen bequem zu Fuß zu erkunden. 

Der Fluss Aven, der dem Ort seinen Namen gibt, durchquert Pont-Aven auf malerische Weise. Auf seinem Weg verwandelt sich der Fluss von einem lebhaften, sprudelnden Wasserlauf in eine ruhige, von den Gezeiten geprägte Flussmündung, in der einige Boote sanft im Wasser schaukeln. Zwischen großen, rund geschliffenen Felsen schlängelt sich das klare Wasser hindurch und setzt dabei noch heute ein oder zwei der hölzernen Räder in Bewegung – stille Zeugen der einst 14 Mühlen, die Pont-Aven im 18. und 19. Jahrhundert prägten.
Besonders schön ist die Promenade Xavier-Grall. Der Weg führt über kleine Brücken und versteckte Übergänge von Ufer zu Ufer, vorbei an alten Waschplätzen und den Resten der früheren Mühlen.

Und dann wäre da natürlich noch das, wofür Pont-Aven wirklich berühmt ist: die Kunst. Im 19. Jahrhundert zog der Ort eine ganze Künstlerkolonie an. Der bekannteste von ihnen war Paul Gauguin, der hier gleich drei Sommer verbrachte und einige seiner berühmtesten Werke malte.
Bis heute spürt man diesen kreativen Geist. In den Gassen reihen sich Galerien, kleine Ateliers und Boutiquen aneinander. Egal wohin man schaut, irgendwo hängen Bilder oder entstehen gerade neue. Dazu noch ein paar Cafés, Crêperien und Läden mit den berühmten buttrigen Keksen von Pont-Aven – und schon hat man den perfekten Mix aus Kultur, Natur und Genuss.

Pont-Aven ist klein, charmant und unglaublich gemütlich. Genau der richtige Ort, um durchzuschlendern, sich treiben zu lassen und ein bisschen Bretagne-Atmosphäre aufzusaugen.

Abstecher nach Kerascoët

Kerascoët

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Concarneau, aber unterwegs hielten wir noch kurz in Kerascoët – und das war definitiv den kleinen Umweg wert!
Dieser kleine, malerische Weiler gehört zu den am besten erhaltenen Dörfern der Bretagne und ist berühmt für seine traditionellen bretonischen Steinhäuser mit den schiefergedeckten Dächern.
Die Häuser wirken wie aus einem Märchenbuch: dicke Steinmauern, alte Holztüren, kleine Fensterläden in gedeckten Farben. Viele Häuser sind liebevoll gepflegt und zeigen noch typische Details der bretonischen Architektur, wie Schornsteine mit kunstvollen Verzierungen oder Steinbänke vor der Tür, die früher als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft dienten.
Besonders charmant sind die Blumen an den Fenstern und die kleinen, versteckten Gärten hinter den Häusern.

Kerascoët ist klein – man braucht keine Stunden, um alles zu sehen – aber dennoch einen Besuch wert, wenn man in der Gegend ist. Ein kleines Dorf voller Geschichte, Charme und Fotomotiven!

Ville Close: Concarneaus magische Burginsel

Nach unserem Abstecher nach Kerascoët setzten wir unsere Fahrt nach Concarneau fort. Unser Wohnmobilstellplatz lag sehr zentrumsnah – ideal, um die berühmte Ville Close, die mittelalterliche Burginsel mitten in der Bucht, zu erkunden.

Die Ville Close ist ein echtes Juwel der Bretagne. Auf einer kleinen Insel in der Bucht gelegen, wird sie vollständig von Mauern umgeben und ist über eine Brücke zu erreichen. Betritt man sie, fühlt man sich sofort in eine andere Zeit versetzt: enge Gassen, Kopfsteinpflaster, historische Häuser und kleine Läden, die Kunsthandwerk und Souvenirs anbieten.
Die Burg selbst wurde im 14. Jahrhundert erbaut und diente ursprünglich als Verteidigungsanlage gegen Angriffe von See. Später wurde sie mehrfach erweitert und befestigt, sodass die Wehrtürme und Bastionen heute noch imposant wirken. Wer die Mauern erklimmt, wird mit fantastischen Ausblicken auf den Hafen, das Meer und die umliegende Stadt belohnt.
Besonders beeindruckend ist, wie gut die mittelalterliche Architektur erhalten geblieben ist, trotz der Jahrhunderte voller Stürme, Kriege und Veränderungen.

Penmarch – Roche des Victimes

Am folgenden Tag setzten wir unsere Reise fort und fuhren zum Gemeindestellplatz von Penmarch, der für 5,50 Euro pro Nacht eine zweckmäßige und gut gelegene Übernachtungsmöglichkeit bietet. Die Küstenstadt befindet sich am südlichen Ende der Bucht von Audierne und bildet den südwestlichsten Punkt der Bretagne. Hier treffen die Linien der Südküste und der Westküste aufeinander, was der Region ihren besonderen landschaftlichen Charakter verleiht.

Nach unserer Ankunft unternahmen wir einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Küste. Die Felsformationen dieser Gegend sind beeindruckend: massive Granitfelsen, die teils glatt geschliffen, teils scharf zerklüftet aus der Landschaft ragen. Sie zeugen von der ständigen Kraft des Atlantiks, der über Jahrtausende hinweg die Küste geformt hat.

Ein echtes Highlight ist der Roche des Victimes (Felsen der Opfer), auch bekannt als La roche du préfet. Der Name klingt dramatisch – und wenn man dort steht, versteht man sofort, warum. Der Fels ist nicht nur beeindruckend, sondern hat auch eine tragische Geschichte. Mehrfach kam es dort zu Unglücken, weshalb 1923 ein Aussichtspunkt mit Metallgeländer geschaffen wurde. Seeseitig steht heute ein Kreuz, und eine Gedenktafel erinnert an die Opfer. Die Atmosphäre an diesem Ort ist speziell: einerseits erhaben, andererseits still und nachdenklich. Man spürt den Respekt, den diese Küste einfordert.

Weil während unseres Besuchs Ebbe herrschte, wollten wir unbedingt noch einmal zurückkommen – diesmal bei Flut. Also machten wir uns am Abend erneut auf den Weg. Eine gute Entscheidung! Die Szenerie hatte sich komplett verändert. Wo vorher Felsen und Spalten offenlagen, schossen jetzt mit der steigenden Flut mächtige Wellen gegen die Klippen. Das Wasser donnerte mit voller Kraft auf die Granitwände, spritzte meterhoch empor und ließ die Luft vibrieren. Es war, als würde die Küste plötzlich zum Leben erwachen. Naturgewalt pur.

Man kann sich gut vorstellen, wie beeindruckend – und vielleicht auch ein bisschen unheimlich – dieser Ort bei richtig rauem Wetter sein muss. Die Halbinsel Penmarch ist dafür bekannt, dass sie den vollen Atlantik abbekommt. Kein Wunder, dass die Küste gespickt ist mit markanten Orientierungspunkten wie dem Leuchtturm Phare d’Eckmühl, einer der bekanntesten und elegantesten Leuchttürme der Bretagne. Sein Licht weist seit über einem Jahrhundert Schiffen den Weg – und wenn man die schroffe Küstenlinie gesehen hat, weiß man genau, warum er gebraucht wird.

Wild, rauh und wunderschön: Pointe du Raz & Pointe du Van

Bretonischer Küstenzauber am Pointe du Raz

Nach ein paar Tagen an der bretonischen Küste stand unser nächstes Ziel fest: die Pointe du Raz. Kaum ein Ort wird so oft als „das Ende der Welt“ bezeichnet wie diese beeindruckende Landzunge im äußersten Westen der Bretagne. Und tatsächlich – wenn man dort steht, mit dem Wind in den Haaren und dem Blick auf den endlosen Atlantik, fühlt es sich wirklich so an, als wäre man am letzten Zipfel Europas angekommen.
Wir steuerten den offiziellen Wohnmobilparkplatz an, der sich ganz in der Nähe befindet. Mit 18 Euro pro Nacht ist er zwar kein Schnäppchen, aber dafür top gelegen. Von hier aus gelangt man direkt auf den GR 34, den berühmten Fernwanderweg, der einmal rund um die bretonische Küste führt. Schon nach einem kurzen Spaziergang durch die Heide, vorbei an Farnen und kargen Felsen gelangt man zum Pointe du Raz. Die Landzunge ragt 72 Meter in den Atlantik hinaus – schroff, wild und einfach atemberaubend. Und wieder einmal wird uns klar, warum wir die Natur der Bretagne so lieben!
Vor uns das tosende Meer, in der Ferne zwei Leuchttürme – La Vieille und Le Tévennec – die tapfer gegen Wind und Wellen ankämpfen. Und bei klarer Sicht kann man am Horizont sogar die Île de Sein erkennen, eine flache, kleine Insel, die sich dem Atlantik entgegenstellt – ein toller Anblick, vor allem bei Sonnenuntergang!

Etwas oberhalb der Klippen steht die Statue „Notre-Dame des Naufragés“, die Muttergottes der Schiffbrüchigen. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und zeigt die Jungfrau Maria, die einen Schiffbrüchigen in ihren Armen hält. Ein stilles Denkmal für all die Seeleute, die hier draußen ihr Leben gelassen haben – und ein Symbol für die enge Verbindung der Bretonen zum Meer.

Doch wer denkt, die Pointe du Raz sei schon das Highlight, sollte noch etwas weiterlaufen: der Weg zur Baie des Trépassés (zu Deutsch: Bucht der Verstorbenen) ist ein echtes Schmuckstück. Der Name klingt düster, stammt aber von alten Legenden, nach denen hier die Seelen der Verstorbenen auf ihre letzte Reise aufbrachen. Heute ist die Bucht eher ein Ort für Surfer und Sonnenanbeter. Der schmale Küstenpfad führt über Felsen, vorbei an ginsterbewachsenen Hängen, immer mit Blick auf spektakuläre Aussichten und das türkisblau schimmernde Meer.

Das Cap Sizun, auf dem sich die Pointe du Raz befindet, ist überhaupt ein Paradies für Naturliebhaber. Abseits der großen Besucherströme findet man hier kleine Wanderwege, ruhige Buchten und charmante Dörfer. Besonders lohnenswert ist auch ein Abstecher nach Pointe du Van, nur wenige Kilometer entfernt – ruhiger, aber genauso beeindruckend. 

Pointe du Van – wild, ruhig und authentisch bretonisch

Auch für uns ging es am nächsten Morgen zur Pointe du Van – sozusagen die stille Schwester der berühmten Landzunge. Nur ein paar Kilometer weiter nördlich gelegen, aber mit einem ganz anderen Charakter: weniger Trubel, mehr Ruhe, und dafür mindestens genauso viel Natur und Meerblick. Schon die Anfahrt war entspannt. Kaum Fahrzeuge, keine großen Parkplätze – stattdessen fanden wir einen kleinen, kostenlosen Stellplatz, perfekt gelegen für einen Spaziergang zur Küste.

Der Weg zur Pointe du Van führt über sanfte Hügel, vorbei an kargen Weiden und niedrigen Hecken. Der Pfad gehört ebenfalls zum legendären GR 34, und auch hier spürt man diese typische bretonische Atmosphäre – rau, ursprünglich und wunderschön. Je näher man den Klippen kommt, desto stärker wird der Wind, und desto gewaltiger wirkt das Meer.
Von der Spitze der Pointe aus hat man einen fantastischen Blick auf die Baie des Trépassés, die sich in einem weiten Halbkreis zwischen Van und Raz spannt. Wenn man beide Punkte besucht hat, erkennt man erst richtig, wie spektakulär diese Küstenlinie ist – ein Wechselspiel aus Felsen, Meer und Himmel.

Direkt an der Landzunge steht die kleine Kapelle Saint-They. Sie ist dem Schutzpatron der Seeleute gewidmet und stammt ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert, wurde aber später mehrfach restauriert. Es heißt, dass ihr Glockenton früher den Fischern auf See den Weg zurück ans Land wies – eine wunderschöne Vorstellung, wenn man dort steht und die Wellen donnern hört.

Fazit: Pointe du Raz & Pointe du Van
Wer die Bretagne wirklich erleben möchte, sollte beide Landspitzen besuchen – jede auf ihre Art ein kleines Naturwunder. Die Pointe du Raz beeindruckt mit ihrer dramatischen Klippenlandschaft, den tosenden Wellen und der berühmten Statue „Notre-Dame des Naufragés“. Hier spürt man die Kraft des Atlantiks und das maritime Erbe der Region.
Die Pointe du Van dagegen wirkt ruhiger, fast meditativ. Weniger Trubel, dafür pure Natur, kleine versteckte Buchten und die stille Kapelle Saint-They. Wer hier wandert, erlebt die Bretagne von ihrer authentischen, wilden Seite.

Locronan – Mittelalterliches Flair mitten in der Bretagne

Nach einigen Tagen an der wilden Küste zog es uns wieder etwas ins Landesinnere – unser Ziel: das kleine bretonische Örtchen Locronan, ca. 15 km nördlich von Quimper im Finistère. Der Ort steht seit 1924 unter Denkmalschutz und zählt zu den prestigeträchtigsten Dörfern der Bretagne.

Direkt vor dem Ortseingang gibt es mehrere Parkplätze, darunter auch einen Wohnmobilstellplatz, von dem aus man bequem zu Fuß ins Dorfzentrum gelangt. Praktisch, denn Locronan ist größtenteils autofrei. 
Das Herz des Dorfes bildet der Place Saint-Ronan. Hier steht die gleichnamige Kirche, schlicht und elegant, mit gotischen Elementen, die perfekt zur historischen Umgebung passen. Rund um den Platz öffnen sich kleine Gassen, die zu versteckten Innenhöfen, alten Brunnen und Handwerksläden führen. Besonders charmant sind die winzigen Türen, steilen Stufen und Bögen, die den mittelalterlichen Charakter des Ortes bewahren.
Beim Bummel durch die gepflasterten Gassen fällt sofort die einheitliche Architektur auf. Die Häuser stammen größtenteils aus dem 15. und 16. Jahrhundert und sind erstaunlich gut erhalten. Typisch sind die grauen Granitfassaden, die steilen Schieferdächer und die kleinen, geschnitzten Fensterläden. Viele der Gebäude wurden von reichen Tuchhändlern errichtet – Locronan war im Mittelalter ein Zentrum der Leinen- und Textilproduktion.

Da wir außerhalb der Hauptsaison unterwegs waren, war es besonders ruhig. Allerdings hatten auch viele der Souvenirshops, Ateliers und Cafés bereits geschlossen, was das Dorf leider etwas verlassen wirken ließ.

Vitré – Zwischen Stadtmauer und Fachwerk

Nach sechs Wochen on the road durch Frankreich stand nun unser letztes festes Ziel an: Vitré. Die Stadt liegt im Osten der Bretagne, etwa 40 Kilometer von Rennes entfernt, und zählt zu den sogenannten „Villes d’Art et d’Histoire“ – Städte, die wegen ihres historischen Erbes besonders geschützt und gepflegt werden.
Der große städtische Parkplatz verfügt über einige, für Wohnmobile reservierte, Plätze. Kostenlos und zentral – perfekt, um die Stadt zu Fuß zu erkunden.

Fachwerkhäuser in Vitré

Vitré hat eine Altstadt, die fast komplett aus einem Mittelalterfilm stammen könnte – enge, kopfsteingepflasterte Straßen, schiefe Fachwerkhäuser, kleine Läden und Cafés an jeder Ecke. Die Rue de la Baudrairie ist besonders hübsch: alte Holzbalken, bunte Fassaden, Crêperien und Boutiquen – ideal zum Durchbummeln.
Lohnenswert ist auch ein Stopp an der Kirche Kirche Notre-Dame de Vitré, mitten in der Altstadt, und ein Spaziergang entlang der alten Stadtmauern. Teile der Befestigungsanlage aus dem 13. Jahrhundert sind noch erstaunlich gut erhalten. Man kann sie umrunden und hat dabei immer wieder tolle Ausblicke auf das Schloss, die Altstadt und das grüne Umland. 
Ein absolutes “Must see” ist natürlich das Château de Vitré. Es stammt ursprünglich aus dem 11. Jahrhundert und wurde im 13. und 15. Jahrhundert immer wieder erweitert und verstärkt. Seine massiven Mauern, runden Türme und der Wassergraben machen es zu einem der beeindruckendsten Beispiele mittelalterlicher Architektur in der Bretagne.
Früher diente die Burg als Sitz der Barone von Vitré, die über Jahrhunderte die Region prägten. Durch ihre strategische Lage war die Stadt ein wichtiger Grenzposten zwischen der Bretagne und dem französischen Königreich. Das Schloss selbst steht noch heute fast vollständig – ein seltener Glücksfall – und prägt das Stadtbild auf eindrucksvolle Weise. Auch wenn wir es diesmal nicht von innen besichtigt haben, lohnt sich der Weg zum Schloss unbedingt.

Fazit:
Mit dem Besuch von Vitré ging für uns unsere Frankreichrundreise zu Ende. Von den Bergen bis zur Atlantikküste, durch Weinregionen, Städte und kleine Dörfer – jedes Ziel hatte seinen eigenen Charme. Hier in der Bretagne schließt sich nun der Kreis und wir treten langsam die Heimreise an – im Gepäck jede Menge tolle Eindrücke und unvergessliche Erinnerungen an ein Land, das uns mit seiner Vielfalt, seiner Natur und seiner Gelassenheit immer wieder begeistert hat.

Hier ein paar Daten zu unserem Roadtrip Frankreich:
Insgesamt gefahrene Kilometer: 4557 km
Die reine Fahrzeit für diesen Trip betrug: 76 Stunden
Reisedauer: von 21.08.2025 bis 05.10.2025 (46 Tage)
Kosten Sprit: 706,- Euro
Kosten Maut: 234,- Euro

Unsere Route im Überblick:

Frankreich Roadtrip Sommer 2025

>> zum ersten Teil unserer Frankreichreise Frühjahr 2025