Mit dem Wohnmobil auf die Île de Noirmoutier
Eigentlich reisen wir so: Grobe Richtung festlegen, einfach losfahren, schauen, wo der Weg uns hinführt, viel freistehen und vor allem ohne feste Reservierungen. Doch als wir Mitte August 2026 spontan drei Wochen Zeit hatten, stand schnell fest, dass dieses Mal alles anders laufen würde. Es war absolute Hochsaison, und Europa ächzte unter einer extremen Hitzewelle. Einfach draufloszufahren und auf ein freies Plätzchen zu hoffen, war aussichtslos. Nach eingehender Recherche und der Suche nach freien Kapazitäten entschieden wir uns für die französische Insel Île de Noirmoutier in der Vendée. Da wir uns schon auf unserer Frankreich-Tour 2025 in die Île de Ré verliebt hatten, waren wir unheimlich gespannt, wie sich die Nachbarinsel schlagen würde!
Auf dem Campingplatz Les Onchères ergatterten wir noch einen Stellplatz für 14 Nächte inklusive Strom für 489 Euro. Zwei ganze Wochen an einem Ort – eine völlig neue Erfahrung für uns, da wir sonst selten mehr als zwei Nächte an derselben Stelle bleiben.
Die Anreise: Hitzegefechte und ein Abendstopp in Lisieux
Am 13. August 2026 machten wir uns auf den Weg. Geplant waren drei gemütliche Tage, um unterwegs noch schöne Orte zu entdecken. Wir fuhren ganz entspannt und mieden kostenpflichtige Autobahnen weitestgehend – zum einen, um mehr von der Landschaft zu sehen, und zum anderen natürlich, um unser Reisebudget zu schonen.
Die Realität machte uns jedoch einen kleinen Strich durch die Rechnung: Bei brutalen Temperaturen zwischen 36 und 38 Grad wurden aus den geplanten Zwischenstopps immer mehr reine Fahrtage. Denn ohne die laufende Motorklimaanlage war das Wetter schlichtweg kaum auszuhalten.
Einen Abend nutzten wir jedoch für einen Zwischenstopp in Lisieux in der Normandie. In der angenehm kühleren Abendluft besichtigten wir die beeindruckende Basilika Sainte-Thérèse und übernachteten anschließend auf dem kostenlosen Gemeindestellplatz.
Gut zu wissen zur Basilika Sainte-Thérèse:
- Eines der größten Gotteshäuser des 20. Jahrhunderts: Die Basilika wurde im neobyzantinischen Stil errichtet (Bauzeit 1929–1954) und fasst bis zu 4.000 Menschen.
- Bedeutung: Nach Lourdes ist Lisieux der zweitgrößte Wallfahrtsort Frankreichs. Sie wurde zu Ehren der heiligen Thérèse von Lisieux erbaut, einer jungen Karmelitin, die im Alter von nur 24 Jahren verstarb und 1925 heiliggesprochen wurde.
- Architektur: Die imposante Kuppel ragt über 90 Meter in den Himmel. Im Inneren faszinieren farbenfrohe Mosaike und 18 Nebenaltäre, die von verschiedenen Nationen gespendet wurden.
Ankunft auf Noirmoutier
Am 16. August erreichten wir schließlich die Insel und schon die Anfahrt war ein absolutes Highlight und stimmte uns sofort auf den Urlaub ein: Überall erblickten wir die für die Region so typischen, weiß getünchten Häuschen mit ihren strahlend blauen Fensterläden. Zusammen mit den üppig blühenden Oleanderbäumen am Wegesrand versprühte die Landschaft sofort ein herrliches Insel-Feeling!
Der Campingplatz Les Onchères liegt direkt hinter den Dünen und gliedert sich perfekt in die Natur ein. Die Stellplätze sind zwar großzügig, allerdings extrem sandig – prompt beobachteten wir am ersten Tag gleich mehrere Wohnmobile, die sich festgefahren hatten.
Der Platz verfügt über einen einladenden Pool, den wir direkt nach unserer Ankunft nutzten, um uns von der heißen Fahrt erst einmal abzukühlen. Für den Alltag erwies sich der Platz schnell als ideal: Ein Supermarkt im Nachbarort ist per Rad oder Scooter ruckzuck erreicht, und direkt vor dem Campingplatz hält ein kostenloser Shuttlebus, mit dem man die gesamte Insel bequem erkunden kann.
Den ersten Tag nutzten wir rein zum Entspannen. Das Wetter zeigte sich bei angenehmen 25 Grad von seiner besten Seite. Wir erkundeten das Campingplatzgelände, entspannten am Strand und schwammen im Pool. Einziges Manko am Meer: Wegen der Ebbe erwartete uns anstelle einer kühlen Erfrischung eher flaches, badewannenwarmes Wasser.


Das weiße Gold von Noirmoutier: Die berühmten Salzwiesen
Wenn man an die Île de Noirmoutier denkt, kommt man an einem Thema schlichtweg nicht vorbei: den charakteristischen Salzwiesen (Marais Salants). Fast ein Drittel der gesamten Inselfläche besteht aus diesen faszinierenden, geometrisch angelegten Wasserbecken, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen, als die Mönche der Insel mit der Anlegung der ersten Salzgärten begannen.
Hier regiert bis heute ein jahrhundertealtes Handwerk: Das perfekte Zusammenspiel aus Atlantikwasser, intensiver Sonne und stetigem Wind lässt das Wasser in den flachen Becken langsam verdunsten, bis am Ende das kostbare Meersalz kristallisiert. Die sogenannten Sauniers (die traditionellen Salzbauern) ernten das grobe Salz sowie das hauchfeine, besonders edle Fleur de Sel bis heute in reiner Handarbeit mit langen Holzschaufeln.
Vor allem bei Aktivurlaubern ist die Insel für genau diese einzigartige Kulisse berühmt: Schmale, malerische Fahrradwege schlängeln sich kilometerweit direkt an den schimmernden Wasserflächen entlang, in denen sich der weiße Wolkenhimmel spiegelt und unzählige Sumpfvögel wie Reiher oder Möwen zu beobachten sind – ein absolutes Aushängeschild und das grüne Herz der Insel!
Trubel im Inselhauptort Noirmoutier-en-l’Île
Am nächsten Morgen stiegen wir in den kostenlosen Shuttlebus nach Noirmoutier-en-l’Île. Der historische Inselhauptort hat eine lange Geschichte: Er geht ursprünglich auf ein Benediktinerkloster zurück, das bereits im 7. Jahrhundert vom heiligen Philibert gegründet wurde und dem Ort seinen Namen gab (Her-Moutier bzw. Heri Monasterium). Vor allem fällt die imposante Burg Château de Noirmoutier aus dem 12. Jahrhundert ins Auge, die mächtig über der Stadt emporragt und die Inselbewohner einst vor den Überfällen der Normannen und Engländer schützte.
Unser erstes Ziel war der traditionelle Wochenmarkt. Hier spürt man das inseltypische Flair hautnah: Es duftet nach frischen Meeresfrüchten, knackigen regionalen Spezialitäten und natürlich dem berühmten Fleur de Sel der Insel. Sogar kulinarisches Gold wird hier gehandelt: Noirmoutier ist berühmt für die Bonnotte, eine der teuersten Frühkartoffeln der Welt, die traditionell auf dem sandigen Inselboden wächst und mit angespültem Meeresschlick gedüngt wird.
Was man allerdings genauso deutlich spürte wie die Tradition, war die Hochsaison! Es war extrem voll, und man wurde regelrecht durch die Marktstraßen geschoben. Wir schauten zwar noch in die geschäftige Markthalle hinein, doch nach einer Weile reichte uns das dicht gedrängte Treiben. Nachdem wir noch ein wenig durch die charmanten Gassen der Innenstadt geschlendert waren, machten wir uns schließlich auf den Weg Richtung Küste.
Dort erwartete uns an der Plage des Dames ein echtes Postkartenmotiv: Der Strand – eingebettet in duftende Pinienwälder – ist berühmt für seinen ikonischen, langen Holzsteg und die nostalgischen, strahlend weißen Strandhütten direkt am Wasser. Hier schlenderten wir entspannt an der Küste entlang, genossen die herrliche Kulisse und ließen den weiten Blick über das Meer auf uns wirken.
Marktluft und Inselidylle in Barbâtre
Am nächsten Tag schwangen wir uns auf den Scooter und das Fahrrad für einen Ausflug ins südliche Barbâtre. Die Île de Noirmoutier ist ein absolutes Paradies für Radler: Ein flächendeckendes Netz aus bestens ausgebauten, kilometerlangen Radwegen zieht sich quer über die gesamte Insel und führt abseits des Autoverkehrs durch malerische Landschaften.
Barbâtre selbst bildet das geografische Tor zur Insel und liegt an ihrer schmalsten Stelle. Von hier aus ist das Eiland sowohl über die moderne Brücke (Pont de Noirmoutier) als auch über die berühmte Gezeitenstraße Passage du Gois mit dem Festland verbunden. Der Ort verzaubert sofort durch seine typische Inselidylle: Überall stehen die charakteristischen, weiß getünchten Häuschen mit den leuchtend blauen Fensterläden, umgeben von weitläufigen Kiefernwäldern, sanften Dünen und kilometerlangen Sandstränden.
Im Vergleich zum trubeligen Hauptort Noirmoutier-en-l’Île am Vortag war der Wochenmarkt in Barbâtre wesentlich kleiner, überschaubarer und wunderbar entspannt. Wir schlenderten ganz ohne Gedränge von Stand zu Stand, genossen die gelassene Atmosphäre und kauften ein paar schöne Kleinigkeiten. Im Anschluss erledigten wir gleich noch unseren Einkauf im Supermarkt, bevor es ganz entspannt zurück zum Campingplatz ging.
Die Faszination der Passage du Gois
20.08.26 – diesen Tag widmeten wir einem absoluten Highlight der Insel: der legendären Passage du Gois. Diese rund 4 Kilometer lange Pflasterstraße ist weltberühmt, denn sie verbindet das Festland direkt mit der Insel – allerdings liegt sie zweimal am Tag meterhoch unter Wasser! Nur bei Ebbe ist die Straße für jeweils etwa 1,5 Stunden vor und nach dem Tiefststand gefahrlos befahrbar. Wer von der herannahenden Flut überrascht wird, dem bleibt nur die Flucht auf eine der hochgebauten Rettungsbaken (die sogenannten „Papageienkäfige“), um dort auf Rettung zu warten. Wenn das Wasser weicht, erwacht hier zudem eine jahrhundertealte Tradition zu neuem Leben: die Pêche à pied, das Suchen von Muscheln und Krebsen bei Niedrigwasser.
Um dieses beeindruckende Naturschauspiel der Gezeiten in voller Gänze mitzuerleben, steuerten wir das Bauwerk gleich zweimal an – einmal bei Flut, als von der Fahrbahn weit und breit nichts zu sehen war, und später am Abend noch einmal bei Ebbe. Wir setzten uns gemütlich auf die Mauer an der Zufahrt und beobachteten das faszinierende Spektakel: Wir schauten den Autos zu, die sich langsam ihren Weg über die nasse Fahrbahn bahnten, während sich neugierige Touristen Schritt für Schritt durch die glitschige Schlacke und den matschigen Wattaushub kämpften. Hierbei versank mehr als nur ein Schuh im Schlamm. Gleichzeitig wimmelte es überall im Watt von Menschen. Ausgerüstet mit Eimern, Körben und kleinen Harken stürmten unzählige Wattfischer das Areal, um Krebse, Muscheln und andere kleine Meeresbewohner aus dem schlickigen Boden zu holen – ein wirklich einmaliges Schauspiel!


Ausflug nach l’Herbaudière
Einige Tage später machten wir uns erneut mit dem kostenlosen Shuttlebus auf den Weg nach Noirmoutier-en-l’Île und fuhren von dort direkt weiter an die Nordwestspitze der Insel nach l’Herbaudière. Unser erstes Ziel waren die historischen Bunkeranlagen an der Küste. Während des Zweiten Weltkriegs besetzte die deutsche Wehrmacht die strategisch wichtige Insel und baute die Nord- und Westküste im Rahmen des Atlantikwalls mit massiven Geschützstellungen und Bunkern aus. Wenn man heute an den verwitterten Betonkolossen an der Küste vorbeiläuft, bekommt man einen eindrücklichen Einblick in diesen dunklen Teil der Inselgeschichte.
Anschließend spazierten wir weiter Richtung Hafen. L’Herbaudière war Anfang des 20. Jahrhunderts ein reiner Sardinenfischerhafen, bevor hier 1973 der erste Jachthafen der Vendée angelegt wurde. Bis heute liegt hier ein ganz besonderer Charme in der Luft, denn der Ort vereint schicke Marina-Liegeplätze für Segler mit traditioneller Fischerei auf Seezunge und Wolfsbarsch. Direkt am Jachthafen kehrten wir ein und stärkten uns bei einem leckeren Essen mit Blick auf die Masten und Fischerboote.


Danach ging es mit dem Bus wieder zurück nach Noirmoutier-en-l’Île, wo wir uns diesmal die imposante Burg Château de Noirmoutier genauer ansahen. Die mächtige Festung aus dem 12. Jahrhundert ragt mitten im Ort empor und schützte die Inselbewohner einst vor den Überfällen der Normannen und Engländer. Zum krönenden Abschluss holten wir uns noch ein leckeres Eis, bummelten ein wenig durch die charmanten Gassen der Innenstadt und ließen den abwechslungsreichen Tag ganz entspannt ausklingen.
Mit dem Rad zu den Windmühlen von La Guérinière
Nach zwei Regentagen meldete sich die Sonne zurück, und wir schwingten uns auf Rad und Scooter, um die letzte Ortschaft der Insel zu erkunden: La Guérinière. Der charmante Ort liegt malerisch eingebettet zwischen den weiten Salzgärten im Osten und den feinen Sandstränden im Westen. Die Gemeinde lebt bis heute stark von der Ernte des berühmten Fleur de Sel aus den umliegenden Salzwiesen sowie vom traditionellen Austernanbau, den man beispielsweise am pittoresken Port du Bonhomme hautnah erleben kann.
Unser Hauptziel bei dieser Radtour waren die historischen Windmühlen direkt an der Küste. Einst standen auf Noirmoutier Dutzende dieser Mühlen zur Getreideverarbeitung. In La Guérinière prägen die liebevoll erhaltenen Mühlen (wie die bekannten Moulins de la Court) auf den Dünen direkt am Strandabschnitt das Landschaftsbild und erinnern eindrucksvoll an das traditionelle Handwerk der Insel.
Der Heimweg: Ein entspannter Ausklang in Chartres
Für die Rückreise steuerten wir – wie schon im Vorjahr – erneut das charmante Chartres an. Der dortige kostenlose Wohnmobilstellplatz ist für uns einfach der perfekte Zwischenstopp, um unsere Frankreich-Reise ganz entspannt ausklingen zu lassen. Chartres entschleunigt sofort: Man schlendert durch die historischen Gassen, genießt einen Café in einem der gemütlichen Lokale und lässt das Urlaubsgefühl noch einmal richtig aufleben.
Schon von Weitem thront die weltberühmte Kathedrale Notre-Dame de Chartres über der Stadt. Das imposante UNESCO-Weltkulturerbe gilt als eines der bedeutendsten Meisterwerke der Hochgotik. Bei einer Besichtigung faszinieren vor allem die zwei ungleichen Kirchtürme und die über 170 mittelalterlichen Buntglasfenster, deren intensiv leuchtender Farbton in der Kunstgeschichte sogar als „Chartres-Blau“ berühmt geworden ist.
Abseits des Gotteshauses verzaubert die Altstadt mit ihren steilen, verwinkelten Pflastergassen und wunderschön erhaltenen Fachwerkhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Besonders schön ist ein Spaziergang hinunter an das Flussufer der Eure, wo man an alten Steinbrücken, historischen Waschhäusern (Lavoirs) und romantischen Mühlen vorbeikommt.
Ein weiteres Highlight erlebt man nach Einbruch der Dunkelheit: Chartres en Lumières. Bei dieser spektakulären, kostenlosen Lichtshow werden rund 20 historische Bauwerke in der gesamten Innenstadt mit aufwendigen Projektionen und Musik atemberaubend in Szene gesetzt.


Unser Fazit: Ein schöner Urlaub mit wertvollen Erkenntnissen
Die Île de Noirmoutier hat uns insgesamt wirklich sehr gut gefallen! Sie besticht durch ihren wunderbaren französischen Inselflair, die entspannte Gelassenheit und diesen herrlich ursprünglichen, unverfälschten Vibe. Unser absolutes Highlight der Reise war ohne Frage die faszinierende Passage du Gois – das Gezeitenspektakel mit dem eifrigen Treiben der Wattfischer und den mutigen Autofahrern werden wir so schnell sicher nicht vergessen.
Dennoch müssen wir ehrlich sagen: An die Île de Ré kommt Noirmoutier für uns persönlich nicht ganz heran. Das liegt für uns vor allem am Meer. Wir lieben den eher rauen, stürmischen Atlantik mit seinen echten Wellen und der puren Gewalten der Natur, wie wir ihn auf der Île de Ré erlebten. Auf Noirmoutier zeigt sich der Ozean durch die vorgelagerten Sandbänke und die geschützte Lage hingegen extrem ruhig – fast wie ein großer See.
Und der Urlaub hat uns noch etwas ganz Wichtiges über uns selbst gezeigt: Für diese Art zu reisen sind wir schlichtweg nicht mehr gemacht! Es war zwar absolut schön, mal die Seele baumeln zu lassen und richtig auszuspannen, aber 14 Tage fest an einem einzigen Ort zu stehen, war für uns am Ende doch deutlich zu lang. Wenn man es sonst gewohnt ist, alle paar Tage weiterzuziehen, neue Landschaften zu erblicken und ständig neue Orte zu entdecken, fehlt einem auf Dauer einfach die gewohnte Dynamik.
Es war eine tolle, erlebnisreiche Zeit mit vielen wunderschönen Eindrücken – doch beim nächsten Mal heißt es für uns definitiv wieder: Gang einlegen, losfahren und schauen, wo die Reise uns morgen hinführt!





