April 2025 – die Sonne lacht, die Temperaturen steigen und mit ihnen unsere Reiselust. Nach zwei Monaten zu Hause juckt es uns in den Füßen – höchste Zeit für ein neues Abenteuer. Diesmal zieht es uns nach Frankreich! Der grobe Plan? Erst ein Stopp in Paris, dann weiter in die Normandie, die raue Schönheit der Bretagne erkunden und schließlich an der Küste entlang Richtung Süden.
Vorbereitungen
Viel Vorbereitungen? Diesmal kaum nötig! Die Crit’Air-Plakette (französische Umweltplakette) hatten wir noch von unserer letzten Spanientour. Bleibt nur die Sache mit der Maut: Ohne Mautbox unterwegs, aber mit einigen französischen Autobahnen, die bereits auf das Free-Flow-System umgestellt wurden, haben wir uns kurzerhand auf www.sanef.com und www.aliae.com registriert. Dort kann man nicht nur bequem bezahlen, sondern auch eine Benachrichtigung aktivieren – perfekt, um den Überblick zu behalten, wenn man auf den mautpflichtigen Straßen unterwegs ist.
Zwischenstopp in Ludwigsburg
Bevor es über die Grenze ging, verbrachten wir zwei Tage in Ludwigsburg. Die Stadt hat nicht nur barocken Charme, sondern auch eine tief verwurzelte Geschichte. Besonders das Seeschloss Monrepos hat uns sehr gut gefallen. Ursprünglich als Jagdschloss im 18. Jahrhundert erbaut, wurde es 1764 unter Herzog Carl Eugen von Württemberg als Residenz genutzt. Direkt am Wasser gelegen, strahlt es eine besondere Ruhe aus. Bei einem Spaziergang entlang des Sees, vorbei an alten Bäumen und kleinen Brücken, genossen wir die Sonne und ließen die Seele baumeln.
Am nächsten Tag ging es weiter ins Herz der Stadt – zum Residenzschloss. Es wurde von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg im Jahr 1704 in Auftrag gegeben und war das Zentrum der politischen Macht in Württemberg im 18. Jahrhundert. Das imposante Barockschloss war ein Symbol des Wohlstands und der Macht des Hauses Württemberg. Heute zählt es zu den größten und prächtigsten Barockanlagen in Deutschland. Die prachtvollen Gärten wurden teilweise im französischen Stil gestaltet und sind ein wahres Meisterwerk der Gartenkunst. Besonders der „Blühende Barock“, der 1954 eröffnet wurde, lockt zahlreiche Touristen an. Mit einer Vielzahl von Blumenbeeten und kunstvoll angelegten Wegen ist dieser Garten ein Paradebeispiel für die barocke Gartenkunst.
Ein Kaffee auf dem gut besuchten Marktplatz – umgeben von eleganten Arkadenhäusern – rundete unsere Erkundungstour ab.
Werkstatt in Metz statt Croissants in Paris
Eigentlich sollte es am nächsten Tag weiter Richtung Paris gehen. Doch rund 150 Kilometer hinter der französischen Grenze, in der Nähe von Verdun, machte uns unser “kleiner Dicker” plötzlich Sorgen: Die Motorkontrollleuchte ging an – und das gleich mit doppelt schlechter Laune. Fehlermeldung am DPF und einem Sensor. Na großartig.
In der Hoffnung auf einen kurzen Schreck versuchten wir, den Fehler mit unserem Diagnosegerät zu löschen. Doch unser technischer Erste-Hilfe-Versuch blieb erfolglos. Und natürlich – es war Samstag. Alle Werkstätten dicht.
Also Plan B. Statt Croissants in Paris gab’s Entschleunigung auf dem Land. Wir entschieden uns, das Wochenende einfach auszusitzen und am Montag eine Werkstatt aufzusuchen.
Unser Trostpflaster: ein idyllisch gelegener Stellplatz in Dieue-sur-Meuse. Für schlappe 6 Euro pro Nacht inklusive Service durften wir dort stehen – mit Blick ins Grüne, ganz ohne Großstadttrubel. Man könnte fast sagen: Wenn schon Panne, dann bitte so!
Doch die Werkstattsuche am Montag war alles andere als ein Selbstläufer. Vor allem die erschwerte Kommunikation, da hier keiner englisch sprach, stellte uns vor eine ganz schöne Herausforderung. Vier Anläufe bei Werkstätten in der Umgebung – vier Mal Kopfschütteln oder einfach kein Termin. Also zurück nach Metz. Eine gute Stunde Umweg, aber immerhin mit Hoffnung: Dort sollte es eine Fiat-Fachwerkstatt geben – und die hatte auch tatsächlich Zeit für uns. Der Mechaniker (der auch englisch konnte) las den Fehlerspeicher aus, löschte ihn und meinte, wir können erstmal beruhigt weiterfahren, es könnte nichts passieren. Sollte der Fehler erneut auftauchen, müsste wahrscheinlich ein Sensor gewechselt werden.
So weit, so gut. Da es mittlerweile schon Nachmittag war, beschlossen wir, uns einen ruhigen Übernachtungsplatz zu suchen und am nächsten Morgen entspannt weiterzufahren. Diesen fanden wir in dem kleinen Blumendorf Beaulieu-en-Argonne – ein echter Geheimtipp.
Der Ort liegt idyllisch auf einem Hügel und bot uns genau das, was wir nach diesem turbulenten Tag brauchten: Ruhe, Natur und eine Prise französisches Dorfidyll. Gepflegte Blumenarrangements schmückten die Straßen und der Blick reichte weit über grüne Wälder und Felder. Umgeben nur von Pferden, Ziegen und Natur verbrachten wir hier eine sehr ruhige Nacht.


Ein Tag in Paris – zwischen Hektik und Charme
Am nächsten morgen ging es dann endlich auf nach Paris – diesmal mit Daumen gedrückt und wachsamen Blick aufs Armaturenbrett. Und siehe da: Über 300 Kilometer lang… nichts! Kein Piepen, kein Licht, kein Drama. Wir atmeten auf. Vielleicht war’s das ja wirklich gewesen?
Spoiler: War’s nicht.
Kurz vor Paris, mitten im Verkehrschaos – bing! Das vertraute Orange blitzte wieder auf.
Unsere Stimmung war inzwischen ziemlich am Tiefpunkt angekommen. Die ständige Sorge um den Motor, das Hin und Her mit den Werkstätten – all das hatte uns spürbar Nerven gekostet.
Also beschlossen wir, die Motorprobleme fürs Erste einfach auszublenden und uns auf das zu konzentrieren, worauf wir uns so lange gefreut hatten – Paris.
Vom Camping de Paris aus starteten wir früh morgens mit dem Shuttle-Service Richtung Innenstadt. Von dort ging’s mit den öffentlichen Verkehrsmitteln weiter, einmal quer durch die Stadt, von Highlight zu Highlight. (Hierfür nutzten wir das Navigo Tagesticket für 14 Euro / Person).
Unser erster Stopp: der Triumphbogen. Majestätisch steht er am Place Charles-de-Gaulle, mitten im tosenden Verkehr. Wir blieben eine Weile dort, beobachteten das wilde Kreiseln der Autos, bewunderten die beeindruckenden Reliefs und genossen das Gefühl, mitten in Paris zu sein.
Natürlich durfte der Eiffelturm nicht fehlen – was wäre Paris ohne ihn? Schon der Anblick aus der Nähe ist einfach überwältigend. Die massiven Stahlträger, die sich in den Himmel schrauben, wirken beinahe noch beeindruckender, wenn man direkt darunter steht. Und selbst wenn wir diesmal nicht die Aussicht vom Gipfel genossen haben, war es faszinierend, einfach nur davor zu stehen und sich von der Größe dieses Bauwerks einnehmen zu lassen.
Rund um den Turm war jede Menge los: Touristen posierten für Fotos, Straßenkünstler verteilten ihre Kunstwerke, und die Luft war voll von Stimmen, Lachen und dem typischen Pariser Trubel. Der Eiffelturm ist nicht nur ein Wahrzeichen, sondern ein echtes Zentrum für das Leben der Stadt – als Kulisse für alles, was Paris so besonders macht.
Wir hielten uns eine Weile auf, ließen den Moment auf uns wirken und genossen einfach das Gefühl, hier zu sein.


Weiter ging’s in Richtung Île de la Cité zur Kathedrale Notre-Dame. Hier war es unmöglich, sich nicht von der imposanten Fassade dieser gotischen Schönheit beeindrucken zu lassen. Diese Mischung aus jahrhundertealter Geschichte und grandioser Architektur ist schlicht faszinierend – die filigranen Glasfenster, die detaillierten Skulpturen und die mächtigen Türme, die über die Dächer von Paris hinaus ragen. Ein Ort, der nicht nur religiöse Bedeutung hat, sondern auch das Herzstück vieler Pariser Geschichten bildet – von Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame“ bis hin zu den Erlebnissen der Stadt selbst.
Nach einer entspannten Kaffeepause zog es uns zur Basilika Sacré-Cœur. Der Weg auf den Montmartre ist etwas steil, aber der Ausblick von oben belohnt für jeden Schritt. Hier hat man das Gefühl, ganz oben zu stehen und die ganze Stadt unter sich zu haben – von den Dächern bis zum Eiffelturm, einfach genial. Und auch wenn wir die Basilika nur von außen bewunderten, war es trotzdem ein absolutes Highlight. Mit ihrer strahlend weißen Fassade und der markanten Kuppel wirkt sie fast wie aus einem Märchen.
Montmartre selbst hat seinen ganz eigenen Charme. Die kleinen, engen Gassen und das ruhige Flair rund um die Basilika geben einem das Gefühl, ein Stückchen von Paris abseits der Touristenmassen zu entdecken. Ein perfekter Ort, um den Moment zu genießen und einfach mal abzuschalten.
Zum Ausklang schlenderten wir über den Place du Tertre. Künstler bauten ihre Staffeleien auf, Porträtzeichner beobachteten die Passanten, Cafés waren gut besucht – hier weht noch ein Hauch des alten Montmartre, lebendig und ein bisschen verträumt.



FAZIT
Trotz der ständigen Hektik, die Paris durchzieht – mit hupenden Autos und dem geschäftigen Treiben in den Straßen – hatten wir eine großartige Zeit. Die Stadt kann manchmal richtig chaotisch wirken, aber genau das macht ihren einzigartigen Charme aus. Und zum Glück sind die öffentlichen Verkehrsmittel hier einfach hervorragend! Sie brachten uns schnell und problemlos zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten.
Der Tag war voll von Eindrücken und einer lebendigen Atmosphäre, die Paris von seiner vielseitigen Seite zeigte – eine Stadt, die niemals zur Ruhe kommt.
Le Tréport / Mers-les-Bains– Bunte Häuser, Kreidefelsen und Meeresbrise
Der nächste Tag brachte uns wieder zurück in die Realität. Nach unserem kurzen Paris-Abenteuer ging es diesmal zu einer Fiat-Werkstatt nach Rouen. Der dortige Werkstattmanager, ein super netter Typ, nahm sich trotz seines vollen Terminkalenders sofort unseres Problems an und untersuchte das Wohnmobil gründlich.
Trotz der Fehlermeldung konnte er allerdings keinen Defekt am Sensor feststellen, und auch der DPF war vollkommen in Ordnung. Einfach auf Verdacht die Sensoren zu tauschen, das konnte keine Lösung sein. Stattdessen riet er uns, weiterzufahren und erst mal in der Nähe zu bleiben. Sollte der Fehler nochmal auftreten, hätte er den passenden Sensor auf Lager und könnte ihn dann schnell tauschen.
So machten wir uns auf den Weg ins etwa 100 km entfernte Le Tréport, einem idyllisches Küstendorf an der Alabasterküste, wo wir zwei Tage verbrachten. Unser Stellplatz (8,50 Euro/Nacht) lag hoch oben auf den Klippen, mit einem atemberaubenden Blick auf das Meer und die imposanten Kreidefelswände – ein perfekter Ort, um zur Ruhe zu kommen. Besonders praktisch: Wir konnten die kostenlose Seilbahn nutzen, die uns bequem den Hügel hinunter zum Hafen brachte und uns so den Weg zu den charmanten Straßen des Ortes erleichterte.
Le Tréport und das angrenzende Mers-les-Bains beeindruckte uns nicht nur mit seiner spektakulären Aussicht, sondern auch mit seinen bunten, schmalen Häusern, die wie aus einem Bilderbuch zu kommen schienen. Die lebendigen Farben und die charmante Architektur verliehen dem Ort eine besonders einladende Atmosphäre.



Nach einem entspannten Spaziergang durch den Hafen beschlossen wir, noch etwas aktiver zu werden und zu den Bunkern zu wandern, die entlang der Küste auf den Klippen verstreut sind. Leider sind diese nach einem Steinschlag im Jahr 2023 nicht mehr begehbar, was uns etwas enttäuschte. Aber statt der Bunker genossen wir die atemberaubende Aussicht auf das Meer und die imposanten Klippen.
An der Promenade ließen wir den Tag bei einem Cappuccino in der Sonne ausklingen, bevor wir – nach einem kurzen Stopp am Fischmarkt, um die frische Ware zu bewundern – langsam zurück zu unserem Stellplatz schlenderten.
Étretat – die Klippen rufen
Unser nächstes Ziel: das malerische Küstenstädtchen Étretat in der Normandie – berühmt für seine dramatischen Kreidefelsen, spektakulären Bögen und die natürliche Felsnadel „L’Aiguille“, die sich wie eine steinerne Kathedrale aus dem Meer erhebt. Schon Claude Monet und andere Impressionisten waren von diesem Anblick fasziniert – und wir wollten unbedingt mit eigenen Augen sehen, was an diesem Ort so besonders ist.
Kaum angekommen, mussten wir jedoch feststellen: Für Wohnmobile ist Étretat ein echter Hürdenlauf. Überall Verbotsschilder, der einzige offizielle Stellplatz bis auf den letzten Quadratmeter belegt – und das bei strahlendem Wetter. Da wir dieses Highlight aber auf keinen Fall auslassen wollten, hieß es Plan B: raus aus der Stadt, ein Stück ins Hinterland, und auf einem unscheinbaren Platz übernachtet – mit der Hoffnung, am nächsten Morgen früh genug dran zu sein. Und siehe da: Glück gehabt! Noch vor dem großen Ansturm erwischten wir einen der heiß umkämpften Stellplätze in Stadtnähe, von dem aus es nur etwa 20 Minuten zu Fuß bis ins Zentrum von Étretat waren.
Die kleine Ortschaft mit ihren verwinkelten Gassen, charmanten Fachwerkhäusern und gemütlichen Cafés versprüht den typischen französischen Flair. Wir schlenderten durch die Stadt, ließen uns treiben, gönnten uns einen Café crème an der Promenade und konnten den Blick kaum von den Felsen abwenden. Die Kombination aus Meer, Himmel und Stein ist einfach magisch.
Der berühmteste Anblick: die „Porte d’Aval“, ein natürlich entstandener Felsbogen, der spektakulär ins Meer ragt – direkt daneben die steil aufragende Felsnadel. Kein Wunder, dass dieser Ort schon unzählige Künstler inspiriert hat.
Natürlich wollten wir auch rauf auf die Klippen. Der Weg ist gut begehbar, aber nicht ganz ohne – ein bisschen Kondition schadet nicht. Doch oben angekommen wartete das große Staunen: Ein Panorama, das einem den Atem raubt. Das türkisfarbene Meer trifft auf strahlend weiße Kreidefelsen, Möwen kreisen über den Klippen und der Wind zaust einem ordentlich die Haare durch. Man versteht sofort, warum Claude Monet hier gemalt hat – und warum Étretat bis heute so viele Menschen in seinen Bann zieht.




Honfleur – Malerisches Hafenflair und französischer Charme
Nach dem atemberaubenden Naturerlebnis in Étretat führte uns unsere Reise weiter ins bezaubernde Honfleur – ein echtes Schmuckstück an der Seine-Mündung. Schon die Ankunft fühlte sich entspannt an: Direkt vor den Toren der Altstadt gibt es einen großzügigen Wohnmobilstellplatz (18 €/24 h), der sich als perfekter Ausgangspunkt erwies, um dieses malerische Örtchen zu erkunden.
Kaum angekommen, waren wir schon hin und weg. Honfleur hat diesen ganz besonderen Charme, den man schwer in Worte fassen kann – eine Mischung aus maritimer Gelassenheit, französischem Lebensgefühl und einem Hauch Nostalgie.
Besonders das alte Hafenbecken, das Vieux Bassin, zieht sofort alle Blicke auf sich. Rundherum reihen sich schmale, teils windschiefe Häuser mit kunstvoll verzierten Fassaden und bunt gestrichenen Fensterläden – als hätte ein Maler sie absichtlich in Szene gesetzt. Straßencafés mit Blick auf die Boote, kleine Galerien, Boutiquen, Crêperien und überall Menschen, die flanieren, genießen und das Ambiente aufsaugen. Man kann stundenlang einfach nur dasitzen, einen Café trinken und das rege Treiben beobachten.
Am Hafenrand steht außerdem ein Riesenrad, das einem eine wundervolle Aussicht über die Dächer der Altstadt, das Hafenbecken und die Seine-Mündung bietet. Bei Sonnenuntergang ein echter Gänsehautmoment – romantisch, ruhig und mit einem Hauch Nostalgie.


Doch auch abseits des Hafens hat Honfleur einiges zu bieten: enge Gassen, uralte Kopfsteinpflaster, versteckte Innenhöfe und die beeindruckende Kirche Sainte-Catherine, die vollständig aus Holz gebaut wurde – ein echtes architektonisches Unikat und ein Stück Geschichte zum Anfassen.
Wer nach dem Trubel rund ums Hafenbecken ein bisschen Ruhe sucht, sollte unbedingt einen Spaziergang durch den nahegelegenen Jardin des Personnalités machen. Der weitläufige Park liegt direkt an der Seine und lädt mit gepflegten Wegen, Skulpturen und hübsch angelegten Gärten zum Verweilen ein. Hier werden bedeutende Persönlichkeiten mit Bezug zu Honfleur durch kleine Büsten und liebevoll gestaltete Grünflächen geehrt – darunter Maler, Musiker, Schriftsteller und Entdecker.
Zwischenstopp in Cabourg
Der nächste Tag startete entspannt: Wir nutzten die Gelegenheit, um unsere Vorräte aufzufüllen und endlich mal wieder Wäsche zu waschen – auch das gehört schließlich zum Roadtrip-Leben dazu. Mit frischen Vorräten und sauberer Kleidung im Gepäck ging es weiter zu unserem nächsten Zwischenstopp: Cabourg – ein malerisches Küstenstädtchen in der Normandie.
Schon bei der Ankunft fiel uns der besondere Charme des Ortes auf. Die Straßen sind gesäumt von eleganten Villen im Belle-Époque-Stil – mit kunstvoll verzierten Balkonen, bunten Fensterläden und dieser herrlich verspielten französischen Architektur, die den Ort fast märchenhaft wirken lässt.
Auch wenn das Wetter nicht ganz auf unserer Seite war – bedeckter Himmel, kräftiger Wind und ein Hauch von Meeressalz in der Luft – ließ es sich Cabourg nicht nehmen, Eindruck zu machen. Die breite Strandpromenade lud trotzdem zu einem Spaziergang ein und der Blick über den endlosen Sandstrand hatte selbst bei grauem Himmel etwas Magisches.
Ein echter Hingucker ist das imposante Grand Hôtel, das direkt an der Promenade thront. Dieses elegante Relikt aus vergangenen Zeiten erinnert an die Glanzzeit Cabourgs als mondäner Badeort und gibt dem Ort eine stilvolle, fast filmreife Kulisse.



Übernachtet haben wir ganz unkompliziert auf einem kostenlosen Gemeindestellplatz – ruhig gelegen, mit allem, was man braucht, und nur einen kurzen Spaziergang vom Zentrum entfernt. Einfach, aber perfekt für eine Nacht in dieser charmanten kleinen Stadt.
Geschichte hautnah – zwei Tage am Omaha Beach
Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Westen – unser Ziel: der geschichtsträchtige Omaha Beach. Für zwei Nächte schlugen wir unser Lager auf dem Flower Camping Omaha Beach auf (18 Euro pro Nacht ohne Strom) – ein ruhig gelegener Campingplatz direkt an der Steilküste, mit weitem Blick über das Meer und direktem Zugang zum Strand.
Wir nutzten die Zeit, um Omaha Beach und die Umgebung zu erkunden. Der lange, flache Strand wirkt heute friedlich und weit – kaum vorstellbar, dass hier am 6. Juni 1944 eines der blutigsten Kapitel des Zweiten Weltkriegs geschrieben wurde. Überall entlang der Küste stößt man auf Erinnerungsorte und Denkmäler, die an die Opfer und die Tapferkeit der Soldaten erinnern.
Besonders auffällig ist das Les Braves-Denkmal direkt am Strand von Saint-Laurent-sur-Mer. Die imposante, silberne Skulptur steht mit ihren scharfkantigen, himmelwärts ragenden Formen in starkem Kontrast zur Weite des Strandes – ein modernes Symbol für Mut, Freiheit und Hoffnung.
Nicht weit entfernt befindet sich auch das National Guard Monument, das an die amerikanische Nationalgarde erinnert, die hier einen entscheidenden Beitrag zur Befreiung Europas leistete. Weitere kleinere Gedenktafeln, Gedenksteine und Schautafeln säumen die Küstenstraße und erzählen von einzelnen Einheiten, Gefechten und persönlichen Geschichten – jedes Denkmal ein stiller Zeuge der Vergangenheit.


Einer der eindrucksvollsten Orte war der amerikanische Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer, hoch oben über den Klippen gelegen. Die endlosen Reihen weißer Marmorkreuze, die in makelloser Ordnung über das grüne Gelände führen, haben eine stille, fast ehrfürchtige Präsenz. Der Blick aufs Meer, das friedlich glitzert, verstärkt diesen Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Leben und Tod, Krieg und Frieden.
Nach dem Auschecken am dritten Tag fuhren wir direkt zum Overlord Museum, das wir nun unbedingt auch noch besuchen wollten. Das Museum ist eines der wichtigsten Gedenkorte der Region und bietet einen tiefen Einblick in die Geschehnisse rund um den D-Day. Besonders faszinierend sind die zahlreichen Original-Exponate, darunter Fahrzeuge, Waffen und Ausrüstungsgegenstände, die den Schrecken und die Komplexität der Landung verdeutlichen. Detailgetreu wurden hier verschiedene Szenarien auf eindrucksvolle Weise nachgestellt. Wir nahmen uns die Zeit, die Ausstellung in Ruhe zu durchstöbern und uns von den bewegenden Geschichten, die sie erzählten, noch mehr beeindrucken zu lassen.


Nach diesem intensiven Besuch machten wir uns mit vielen neuen Eindrücken auf den Weg und hinterließen Omaha Beach mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Demut. Es war ein Ort, der nicht nur durch seine Geschichte, sondern auch durch die Atmosphäre von Respekt und Erinnerung geprägt ist.
Zwei Tage Bayeux: Altstadtflair und Marktschätze
Nach unserer Ankunft in Bayeux, einer geschichtsträchtigen Stadt in der Normandie, begrüßte uns überraschend freundliches Wetter – statt den gemeldeten Regenwolken gab’s strahlend blauen Himmel – beste Voraussetzungen für zwei entspannte Tage. Wir entschieden uns für den offiziellen Wohnmobilstellplatz der Gemeinde, der mit nur 5,50 Euro pro Nacht nicht nur preiswert, sondern auch sehr zentral gelegen war. Von dort aus war alles bequem zu Fuß erreichbar, inklusive des nahegelegenen Einkaufszentrums Leclerc.
Unser erster Weg führte uns in den Jardin Public, einen kleinen, gepflegten Park mitten in der Stadt. Besonders beeindruckt hat uns dort die alte Hängebuche, deren knorrige Äste sich wie ein schattenspendendes Dach über die Besucher legen – ein faszinierender Anblick.
Am Samstagmorgen schlenderten wir über den Wochenmarkt, der mit typisch normannischen Spezialitäten lockte: Frischer Schellfisch, aromatische Käsesorten, der bekannte Apfelbrand Calvados und natürlich Cidre – alles aus der Region und liebevoll von den Händlern präsentiert. Besonders ins Auge fielen uns die Gerichte mit dem berühmten Bayeux-Schwein, einer alten regionalen Rasse, die als echte Delikatesse gilt.
Nach dem Marktbummel ließen wir uns durch die kleinen Gassen der Innenstadt treiben. Bayeux hat sich seinen mittelalterlichen Charme bewahrt – mit Fachwerkhäusern, kleinen Boutiquen und Cafés, die zum Verweilen einladen. Ein weiteres Highlight war der Besuch der Kathedrale von Bayeux, einem prachtvollen Bauwerk aus dem 11. Jahrhundert. Mit ihren hohen Gewölben, den kunstvollen Glasfenstern und ihrer majestätischen Ausstrahlung zählt sie zu den beeindruckendsten gotischen Kathedralen Frankreichs.
Nur eines haben wir diesmal ausgelassen: den berühmten Teppich von Bayeux, das weltberühmte gestickte Mittelalter-Comic über die Eroberung Englands 1066. Dies steht dann eventuell bei unserem nächsten Besuch auf dem Plan.



Deutscher Soldatenfriedhof La Cambe – ein stiller Ort der Erinnerung
Am nächsten Morgen ging es zunächst ein paar Kilometer zurück – denn was wir vorher übersehen hatten, ließ uns keine Ruhe: In der Region gibt es nicht nur den weithin bekannten amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville-sur-Mer, sondern auch einen deutschen Kriegsgräberfriedhof in La Cambe. Ein Ort, den wir unbedingt noch besuchen wollten.
Fast 21.000 gefallene deutsche Soldaten sind hier bestattet – viele von ihnen namenlos, viele erschreckend jung. Auf dem großen Grabhügel in der Mitte, von einem steinernen Kreuz und zwei stillen Figuren überragt, ruht ein Massengrab. Rundherum erzählen kleine Steintafeln von den Einzelnen – Namen, Geburtsdaten, Todesjahre. Viel zu oft beginnt das Leben dieser Männer in den 1920er Jahren und endet schon Mitte der 1940er.
Schon bei der Ankunft war klar, dass dieser Ort eine ganz andere Wirkung entfaltet als sein amerikanisches Pendant. Keine marmorne Monumentalität, keine endlosen weißen Kreuze in Reih und Glied – stattdessen wirkt La Cambe schlicht, zurückhaltend, fast unscheinbar. Doch gerade diese Stille, diese Schlichtheit hat uns tief bewegt. Die dunklen Basaltkreuze und flachen Grabplatten fügen sich in die sanft geschwungene Landschaft ein, nichts schreit hier nach Aufmerksamkeit – und gerade deshalb wird man still.
Besonders bewegend war für uns das angrenzende Informationszentrum. Es bietet mehr als nur historische Einordnung – hier werden persönliche Schicksale sichtbar: Briefe, Fotos, Lebensläufe. Nicht, um zu verklären, sondern um zu zeigen, wie jung viele dieser Männer waren, wie vielversprechend ihre Leben begannen – und wie brutal sie im Krieg endeten. Viele wurden nicht älter als 18 oder 19 Jahre.


Osteridylle am Meer – Gouville-sur-Mer
Ostern stand vor der Tür – und dafür suchten wir uns ein ganz besonderes Plätzchen: einen wunderschönen Stellplatz an der Küste in Gouville-sur-Mer mit dem Meer direkt vor der Tür. Besser hätten wir es kaum treffen können – der perfekte Ort, um einfach mal abzuschalten.
In der Umgebung führten schmale Wege durch geschwungene Dünenlandschaften, gesäumt von kleinen, charmanten Strandhäuschen, deren bunte Dächer fröhliche Farbtupfer in die sanfte Natur setzten.
Hier konnte man stundenlang einfach nur in die Weite schauen und das Leben beobachten: das Spiel von Ebbe und Flut, das Kommen und Gehen der Krabbenfischer und das sanfte Glitzern der Sonne auf dem Wasser.
Der Rhythmus des Meeres bestimmte den Tag – mal zog sich das Wasser weit zurück und legte ein silbriges Watt frei, dann kam es kraftvoll zurück und tauchte alles wieder in Bewegung.
Der Abend krönte alles mit einem Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch – warme Farben, endloser Horizont und das Gefühl, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.


Mont Saint Michel – zwischen Magie und Massentourismus
Nach ein paar entspannten Tagen war es endlich so weit: Mont Saint-Michel stand schon lange auf unserer Bucketlist, und der Tag, an dem wir ihn besuchen würden, war nun gekommen.
Der Mont Saint-Michel ist eine kleine Gezeiteninsel an der Küste der Normandie, die bei Flut vollständig vom Meer umschlossen ist. Bei Ebbe hingegen erstreckt sich ein scheinbar endloser Sand- und Schlickstreifen bis zum Festland. Die imposante Abtei auf dem steilen Felsen wurde im 8. Jahrhundert gegründet und thront majestätisch über dem umliegenden Watt.
Ursprünglich als Kloster für Benediktinermönche errichtet, entwickelte sich der Mont Saint-Michel über die Jahrhunderte hinweg zu einem bedeutenden Zentrum des christlichen Glaubens und zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte des Mittelalters. In späteren Zeiten, insbesondere während der Französischen Revolution und im 19. Jahrhundert, wurde die Abtei zweckentfremdet und diente über mehrere Jahrzehnte als Gefängnis. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann man mit der Restaurierung und der Rückführung zur ursprünglichen spirituellen und kulturellen Bedeutung.
Als Ausgangspunkt fuhren wir zum offiziellen Parkplatz, von dem aus ein kostenloser Shuttlebus die Besucher direkt zum Mont Saint-Michel bringt. Doch wir entschieden uns, die rund 30 Minuten zu Fuß zu gehen. So konnten wir den Anblick der imposanten Abtei langsam auf uns wirken lassen – und was für ein Anblick! Die Abtei, hoch oben auf dem Felsen, ragt majestätisch in den Himmel und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Leider war zu diesem Zeitpunkt bereits Ebbe – zu gerne hätten wir diesen Anblick bei Flut genossen.
Doch je näher wir kamen, umso klarer wurde uns, welch enorme Menschenmenge sich bereits hier befand und ein Blick zurück auf die Brücke zeigte, dass der Zustrom noch lange nicht abriss. Zwar wollten wir die Abtei selbst ohnehin nicht besuchen, doch selbst der Trubel in den Gassen war so groß, dass man sich kaum bewegen konnte. Das Ganze glich eher einer Touristenstraße, durch die man hindurchgeschoben wurde. Der Charme und Zauber dieses Ortes war völlig verschwunden.
Also beschlossen wir, den Shuttle zurück zum Parkplatz zu nehmen und später noch einmal wiederzukommen – diesmal, wenn die Tagestouristen den Ort bereits verlassen hatten. Es war die perfekte Entscheidung. Gegen 18:30 Uhr machten wir uns erneut auf den Weg, und als wir den Mont Saint-Michel erreichten, war es, als hätten wir ihn fast für uns allein. Die meisten Läden waren zwar inzwischen geschlossen und die Sonne bereits hinter den Wolken verschwunden, dafür war aber auch all der Trubel verflogen. Nun konnten wir den Ort nochmals in absoluter Ruhe erkunden und auf uns wirken lassen. Kein Gedränge, keine Hektik – nur die Stille des Abends und der imposante Anblick der Abtei.




Saint-Malo: Piratenflair und Küstenschönheit
Weiter ging es für uns in die erste Stadt der Bretagne: Saint-Malo. Sie liegt direkt an der Küste und ist von einer beeindruckenden Festungsmauer umgeben, die die Altstadt schützt. Saint-Malo ist jedoch nicht nur für ihre Lage und die historischen Mauern bekannt, sondern auch für ihre Geschichte als Hochburg der Freibeuter. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Stadt ein bedeutendes Zentrum für Piraten und Freibeuter, die vom Atlantik aus die Gewässer unsicher machten.
Besonders praktisch war der etwas außerhalb gelegene Wohnmobilstellplatz. Für 7,50 Euro konnte man hier nicht nur übernachten, sondern auch den kostenlosen Shuttle in die Altstadt nutzen.
Dort angekommen führte uns unser erster Weg entlang der Festungsmauern. Von hier oben bot sich ein atemberaubender Blick auf den Atlantik, der bei Ebbe seine geheimen Inseln preisgab. Diese kleinen Inseln, die nur bei Niedrigwasser zugänglich sind, luden zum Staunen ein – ein wahres Paradies für Entdecker. Wer ein bisschen Abenteuerlust verspürt, kann bei Ebbe sogar über die Felsen spazieren und die Inseln aus nächster Nähe erkunden.
Ganz interessant fanden wir auch die Piscine de Bon-Secours, ein angelegtes Meerwasserschwimmbecken direkt am Strand von Saint-Malo. Dank seiner Bauweise bleibt es auch bei Ebbe mit Wasser gefüllt und ermöglicht so jederzeit ein erfrischendes Bad – unabhängig von den Gezeiten. Das Konzept ist ebenso simpel wie genial: ein großes Becken, das sich bei Flut mit Meerwasser füllt und dieses speichert. Ein echtes Highlight für alle, die die bretonische Küste auch bei niedrigem Wasserstand in vollen Zügen genießen möchten.
Nachdem wir die Mauern entlang spaziert waren, tauchten wir in die Altstadt von Saint-Malo ein. Die engen, gepflasterten Gassen, gesäumt von charmanten historischen Häusern und kleinen Boutiquen, luden förmlich zum Bummeln ein. Der Duft von frisch gebackenen Crêpes und anderen bretonischen Köstlichkeiten lag in der Luft und verführte uns zu einer kleinen kulinarischen Pause. Nach einem leckeren Mittagessen ging es weiter zum Hafen, wo die Yachten sanft auf dem Wasser schaukelten. Der perfekte Ort, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen, den maritimen Flair zu genießen und den Blick auf die weite See schweifen zu lassen. Ein rundum entspannter Nachmittag!




Ein Tag an der Smaragdküste: Fort La Latte und Cap Fréhel
Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zu einem der eindrucksvollsten Naturschauplätze der bretonischen Küste: dem Cap Fréhel.
Doch bevor wir das Cap erreichten, legten wir einen kurzen Zwischenstopp ein, um das nahegelegene Fort La Latte zumindest von außen zu bestaunen. Die imposante Festung thront auf einem Felsen direkt über dem Meer. Auch ohne eine Innenbesichtigung vermittelte der Anblick einen starken Eindruck von der strategischen Bedeutung dieser Anlage und der rauen Schönheit der Umgebung.
Weiter ging es zu einem etwas außerhalb gelegenen Wohnmobilstellplatz, der uns nicht nur eine ruhige Übernachtungsmöglichkeit bot, sondern auch ein idealer Startpunkt für unsere Wanderung zum Cap Frehel war. Von dort aus liefen wir etwa 40 Minuten durch offene Heidelandschaft bis zur Spitze des Caps – eine Strecke entlang der beeindruckende Steilküste, die geniale Aussichten bot.
Das Cap Fréhel selbst gehört zu den spektakulärsten Klippenlandschaften der Bretagne. Die Steilküste erhebt sich hier bis zu 70 Meter über dem Atlantik und bietet dramatische Ausblicke auf das Meer. Die Küste ist geprägt von rötlich gefärbtem Sandstein und schroffen Felsformationen, die im Kontrast zu den weiten Heideflächen stehen, die das Cap umgeben. Im späten Frühling und Sommer blühen hier Erikagewächse und Ginster in leuchtenden Farben – ein echtes Fest für die Sinne.
Besonders markant ist der Leuchtturm von Cap Fréhel, ein 1950 erbauter Turm aus Granit, der mit einer Höhe von über 30 Metern weit über das Meer hinausstrahlt. An klaren Tagen reicht die Sicht von hier bis zur Kanalinsel Jersey. Der Bereich um den Leuchtturm ist für Besucher zugänglich, und wer die Stufen zur Aussichtsplattform erklimmt, wird mit einem noch großartigeren Panorama belohnt.



Cap Fréhel ist außerdem ein wichtiges Vogelschutzgebiet. In den steilen Felswänden nisten zahlreiche Seevögel wie Tordalke, Dreizehenmöwen und Kormorane. Mit etwas Glück kann man auch Wanderfalken beobachten. Trotz seiner Beliebtheit als Ausflugsziel wirkt der Ort nicht überlaufen, sondern überraschend ruhig – gerade wenn man sich abseits der Wege ein wenig treiben lässt.
Von Ploumagoar zur Rosa Granitküste
Nach einem etwas verregneten Tag, den wir für verschiedene Erledigungen nutzten, übernachteten wir auf einem kostenlosen Gemeindeplatz in Ploumagoar. Einfach, aber zweckmäßig – genau richtig für eine kurze Verschnaufpause.
Am nächsten Tag ging es weiter an die Nordküste der Bretagne. Unser Ziel war der Campingplatz West Camping bei Perros-Guirec (20 €/Nacht), von dem aus wir die berühmte Rosa Granitküste erkunden wollten – ein echtes Highlight unserer Reise.
Die Côte de Granit Rose, zwischen den Orten Perros-Guirec und Trébeurden, ist ein Küstenabschnitt von etwa 10 Kilometern Länge, der durch seine außergewöhnlichen Felsformationen aus rosa bis rötlichem Granit berühmt geworden ist. Diese Granitgesteine sind über 300 Millionen Jahre alt und ihre einzigartige Färbung stammt von einem hohen Anteil an Feldspat und anderen Mineralien. Die Formen der Felsen wirken teils bizarr, teils fast surreal – durch Erosion rund geschliffen, erinnern manche an Tiere, Gesichter oder fantasievolle Skulpturen.
Wir erkundeten die Gegend zu Fuß, insbesondere den Abschnitt bei Ploumanac’h, der zu den schönsten gehört. Der gut ausgebaute Zöllnerpfad (Sentier des Douaniers / GR34) schlängelt sich direkt entlang der Felsen – immer mit Blick auf das tosende Meer. Dieser historische Küstenweg wurde ursprünglich angelegt, um Schmuggler aufzuspüren, heute ist er einer der beliebtesten Wanderwege der Bretagne.
Ein besonderes Highlight war der Phare de Ploumanac’h, ein Leuchtturm, der malerisch zwischen riesigen Granitblöcken liegt. Sein warm-rötlicher Stein fügt sich perfekt in die Landschaft ein.



Perros-Guirec selbst ist ein hübscher Badeort mit einer gepflegten Promenade und schönen Sandstränden. Bei gutem Wetter ist die Kombination aus türkisblauem Wasser, rosa Felsen und grünem Küstenbewuchs atemberaubend schön – fast schon mediterran, nur wilder und ursprünglicher.
Diese Etappe war landschaftlich ein echtes Highlight: kraftvolle Natur, ungewöhnliche Farben und ein Hauch von Magie, der über der Küste zu liegen scheint. Ein Ort, der sowohl zum Staunen als auch zum Innehalten einlädt.
Unerwartete Wendung
Nach unserem eindrucksvollen Besuch der Rosa Granitküste rund um Perros-Guirec machte uns die Technik erneut einen Strich durch die Rechnung: Die Motorkontrollleuchte meldete sich wieder. Die nächsten zwei Tage waren geprägt von Werkstattbesuchen – von einem Ort zum nächsten, immer auf der Suche nach einer Lösung.
In Guingamp hatten wir schließlich Glück. Dort fanden wir eine Werkstatt, die den benötigten Sensor direkt auf Lager hatte und am Folgetag einbauen konnte.
Doch mit dem reparierten Fahrzeug kam auch die Erkenntnis: Durch die ungeplante Umleitung waren wir bereits ein gutes Stück in Richtung Heimat gefahren. Und so – nach genau vier Wochen unterwegs – beschlossen wir, den Rückweg nun ganz offiziell anzutreten.
Ein wenig Wehmut schwang dabei mit. Eigentlich hatten wir noch viel mehr sehen wollen – darunter die große Wanderdüne von Pilat, Europas höchste Düne, oder das zauberhafte kleine Reetdachdorf Kerascoët an der Südküste der Bretagne. Doch dafür würde nun ein weiterer Frankreichbesuch nötig sein. Dieser Gedanke tröstete – denn es gibt kaum Schöneres, als schon beim Heimfahren von der nächsten Reise zu träumen.
Dinan – Entschleunigung auf dem Rückweg
Dennoch sollte die Heimreise gemütlich und mit weiteren Zwischenstopps sein. Unser erstes Ziel auf dem Rückweg war Dinan, eine der schönsten mittelalterlichen Städte der Bretagne. Die historische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern, der imposanten Stadtmauer und den kopfsteingepflasterten Gassen versetzte uns sofort in eine andere Zeit. Wir verbrachten einen herrlich entspannten Tag, schlenderten durch die Gassen, besichtigten die Stadtmauer und ließen uns bei einem Kaffee auf dem Marktplatz treiben.
Dinan war für uns der ideale Ort, um nach den technischen Strapazen der letzten Tage wieder zur Ruhe zu kommen.



Zum Abschluss – ein Tag in Chartres
Am Folgetag besuchten wir die Stadt Chartres. Die Stadt ist vor allem für ihre beeindruckende Kathedrale Notre-Dame bekannt, ein Meisterwerk der Hochgotik und UNESCO-Welterbe. Schon von weitem prägen ihre zwei ungleichen Türme die Silhouette der Stadt. Beim Betreten des Innenraums beeindruckten uns besonders die mittelalterlichen Glasfenster, von denen viele noch im Original erhalten sind – ein außergewöhnliches Zeugnis gotischer Kunstfertigkeit.
Auch abseits der Kathedrale hat Chartres einiges zu bieten. Die historische Altstadt mit ihren engen Gassen, kleinen Brücken über den Fluss Eure und gut erhaltenen Fachwerkhäuser lädt zum entspannten Erkunden ein. Besonders schön ist der Spaziergang entlang der Unterstadt, wo man an alten Mühlen und versteckten Gärten vorbeikommt.
Eigentlich hatten wir uns auch auf die berühmten Chartres en lumières gefreut – ein Lichtspektakel, bei dem zahlreiche historische Gebäude in der ganzen Stadt nach Einbruch der Dunkelheit kunstvoll beleuchtet werden. Dabei werden auf Fassaden bewegte Lichtbilder projiziert, oft begleitet von Musik und Erzählungen. Vor allem die Kathedrale wird dann zur Leinwand für farbenfrohe Animationen, die Szenen aus ihrer Geschichte lebendig werden lassen. Leider fanden an unserem Besuchstag keine Vorführungen statt – ein kleiner Wermutstropfen, aber zugleich ein guter Grund, eines Tages zurückzukehren.
Chartres war dennoch ein lohnenswerter Zwischenstopp – ruhig, sehenswert und ideal geeignet, um die vielen Eindrücke der vergangenen Wochen noch einmal wirken zu lassen.





Heimreise über Wertheim
Nach einer letzten Zwischenübernachtung in Frankreich, auf einem ruhigen Gemeindeplatz im kleinen Ort Haironville, legten wir noch einen Halt in Deutschland ein – genauer gesagt in Wertheim. Die Stadt liegt malerisch am Zusammenfluss von Tauber und Main und empfängt Besucher mit einer charmanten Altstadt, engen Gassen und gut erhaltenen Fachwerkhäusern. Hoch über der Stadt thront die Burg Wertheim, von deren Anhöhe sich ein weiter Blick über die Dächer und das Umland eröffnet.
Bei einem gemütlichen Abendessen ließen wir die Reise entspannt ausklingen, bevor es am nächsten Morgen endgültig nach Hause ging.
Fazit unserer Frankreichreise
Nach 33 Tagen und 3.771 gefahrenen Kilometern blicken wir auf eine vielseitige und erlebnisreiche Reise zurück. Paris, die Normandie und die Bretagne haben uns mit ihrer landschaftlichen Schönheit, kulturellen Vielfalt und besonderen Atmosphäre nachhaltig beeindruckt.
Zwar konnten wir nicht alle geplanten Ziele ansteuern – doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ein weiterer Besuch der Bretagne, dann in Kombination mit Südfrankreich, steht definitiv auf unserer To-do-Liste.
Positiv aufgefallen ist uns die große Zahl an gut gelegenen, oft kostenfreien Gemeindestellplätzen für Wohnmobile – eine angenehme und unkomplizierte Art des Reisens. Besonders beeindruckt hat uns auch, wie sauber es überall war – egal ob auf den Stellplätzen, in den Ortschaften oder entlang der Straßen. Überrascht hat uns hingegen, dass abseits der touristischen Hotspots nur sehr wenige Menschen Englisch sprachen. Doch mit etwas Geduld, Gesten und dem Google Übersetzer ließ sich dennoch vieles regeln.
Hier ein paar Daten zu unserem Roadtrip Frankreich:
Insgesamt gefahrene Kilometer: 3771 km
Die reine Fahrzeit für diesen Trip betrug: 62 Stunden
Reisedauer: von 03.04.2025 bis 05.05.2025 (33 Tage)
Kosten Sprit: 613,- Euro
Kosten Maut: 163,- Euro
Unsere Route im Überblick:










